darüber ein wenig crschrack, denn wenn eS mir auch nicht zu diel Mühe macht, jeden Monat meine Erlebnisse niederzuschreiben, so hat es doch, wenn man ehrlich verfahren will, am Ende etwas Niederschlagendes, manchem langst abgethanen Gedanken, manchem indeß bekämpften Feh­ler schwarz auf weiß wieder zu begegnen. Ein Jahr ist ein langer Zeitraum, und ein großer Theil aus dem Leben eines Menschen; das Gewissen schlägt Einem doch gewaltig, wenn man getreulich Rechen­schaft ablegen soll über das anvertraute Pfund. Zum Glück war's nicht abermals ein Gedeukbuch, was Paul mir brachte, sondern ein Pappkartou mit wunderschönen künstlichen Blumen.Ballblumen" würde ich im vorigen Jahre noch in meiner frohen Uebcrraschung aus­gerufen haben, aber jetzt kenne ich Mama's Ansichten über diesen Ge­genstand besser, und trage auch nicht mehr ein so heißes Verlangen nach dergleichen Freuden. Ich nahm also die schönen Maiglöckchen, die Rosen, den Flieder und die Reseda in einen Strauß zusammen, und trug ihn in einer kleinen Vase auf den Tisch in mein Zimmer. Dort hingen einige werthvolle Bilder: die Christeugruppe aus Kaul- bach's Zerstörung Jerusalem's, und einige Ansichten Berliner Bau­werke, eine Uebcrraschung, welche die Tante mir zugedacht hatte. Sie sind ein hübscher Schmuck für mein kleines Zimmerchen, was mir doch mit jedem Tage lieber wird. Ich hatte früher nicht oft das Be­dürfniß, allein zu sein, jetzt bedarf ich manchmal eines stillen Plätzchens, wohin ich mich zurückziehen und Einkehr in mich selbst halten kann.

Ich habe einen Brief von Helene Wessel bekommen, die hat ein traurig Weihnachtsfest gefeiert. Die Stelle bei der Fürstin hat sie nicht bekommen, sondern Jemand ganz anderes: Horteuse, deren Vater doch endlich in eine Heilanstalt gebracht werden mußte. Wie oft mag dies verwöhnte Kind des Glückes nun schon daran gedacht haben, was sie ihrer Mutter zur Antwort gab, wenn diese sie zum Fleiß und zum Lernen ermähnte:Warum bestehst Du nur gar so sehr darauf, daß

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