ist hübsch, daß Sie den Vater wieder einmal besuchen. Sie haben ihn doch auch rüstiger als je gefunden?"
„Ja, Gott Lob, und doch hätt' ich das vor zwölf Jahren, wo er als ein angehender Sechziger die Masern bekam und so todkrank wurde, nicht gedacht. Damals war ich eben vom Militair gekommen und wollte mir ein wenig die Welt ansehen. Ich kam zu Hause, um mir den Wanderpaß zu holen, aber da fand ich für's Erste Arbeit vollauf, und mußte ein Vierteljahr lang des Vaters Stelle vertreten. Es gab damals eben viel zu thun, weil ein bösartiges Fieber in der Stadt herrschte und viele Menschen wegraffte. Ich mußte oft in der Nacht noch ein Grab machen, und just mit dem, an welcheni sie da stehen, ging es mir so."
„Wissen Sie noch, lieber Franz, für wen es bestimmt war?" fragte Helene hastig.
„Den Namen kann ich Ihnen nicht sagen, — darauf besinne ich mich nicht mehr, oder habe ihn vielleicht niemals gehört; aber daß wir einen fremden Maler hier begraben haben, weiß ich ganz gewiß. Die Leute meinten, es sei nicht recht/richtig mit ihm gewesen; den ganzen Tag soll er hinter verhangenen Fenstern gesessen und lange Gespräche mit einer weißen Rose gehalten haben, die jedoch keines Menschen Auge erblickt und die nur in seiner Phantasie vorhanden gewesen ist."
„Eine weiße Rose? wie wunderbar!" sagte Helene seltsam überrascht. „Ließ denn der Fremde Verwandte zurück, etwa eine Frau, Tochter oder Schwester?"
Franz besann sich und schüttelte dann den Kopf.
„Ich denke nicht; es ging kein Mensch hinter dem Sarge her, der ohne Sang und Klang in die Erde versenkt wurde. Wenn mir recht ist, mußte die Armenkasse daö Begräbniß bezahlen, darum ist das Grab auch hier an die Mauer gekommen, wo die letzte Klasse hingehört. Die Gemälde, die der Maler mit sich geführt, sollen gar nicht zu ge-
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