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Zwei Jahre dauerte diese trügerische Größe, da wurden mir eines Tages all' meine Kleider, die ich mir mühsam angeschafft, entwendet; zwar war es nur jämmerlicher Theaterplunder, aber für mich hatten sie doch großen Werth, denn ich konnte mich ohne dieselben nicht mehr auf der Bühne sehen lassen und war doch außer Stande, mir neue zu kaufen. Ohne Mitleid ließ mich der Herr unserer kleinen Truppe in einer Stadt zurück, wo ich keinen Menschen kannte, keinen Freund hatte. Ich hungerte und fror und entschloß mich nun, ein Unterkommen als Verkäuferin in einem Putzladcn zu suchen. Nach vieler Mühe fand ich eine solche Stelle, aber kaum erfuhr die Herrin des Geschäfts, die sehr streng war, daß ich Schauspielerin gewesen sei, so schickte sie mich auf der Stelle fort. Ich wußte nun nicht, womit ich mir mein Brod verdienen sollte und wurde von der Polizei ausgewiesen. Damit war ich völlig dem Elend preisgegeben, denn nun hatte ich auch nicht einmal ein Obdach mehr."
„Aber hattest Du denn gar keine Anverwandte, Mutter?" fragte Friedewalt, der den Kopf traurig gegen die Wand gestützt hatte.
Der Mutter schien diese Frage zu mißfallen, sie sah finsterer als jemals aus und antwortete mit keiner Sylbe darauf, sondern erzählte hastig weiter. „Wozu nützt es auch. Dir noch zu erzählen, wie ich herumgetrieben und mit viel Härte behandelt worden bin. Endlich lernte ich Deinen Vater kennen, der einen klcineu Handel mit Schnittwaaren trieb. Er war brav und rechtschaffen und hat mich nie betrübt, als da er starb und mich zur Wittwe, Dich zur Waise machte; aber auch er war ebenso wenig ein Schooßkind des Glückes als ich. Bald suchten uns lange Krankheiten heim, bald hatten wir große Verluste, bis wir von Stufe zu Stufe herabkamen und uns nur dadurch helfen konnten, daß wir Material für die Papiermühlen sammelten."
Als die Erzählerin schwieg, trat der Knabe zu ihr hin, streichelte ihr die gelähmte Hand und sagte gutmüthig. „Es ist Dir traurig er-

