Ein anmuthiger Fußpfad führte jenem Dorfe zu; ich durchwanderte ihn voll seliger Iugendfreude. Das Schul- haus war ein altes, weinumranktes Gebäude, von Außen krumm und winkelig, im Innern reizend sauber und wohnlich. Die alte Frau war allein in der Wohnstube; bald aber trat auch der alte Lehrer ein, die Pfeife im Munde, das Käppchen auf dem Haupt und so mit gelbrothen Birnen beladen, daß er nicht am Käppchen rücken konnte, uns zu begrüßen; dennoch aber that er dies auf herzliche Weise mit Blick und Wort. Ich half ihm die Birnen in Reih und Glied auf einem Schranke aufstellen, während die Frau in die Küche ging, Anstalten zum Kaffee zu treffen.
Als die gute Alte nun zurückkam, ein schneeweißes Tuch über den Tisch breitete, den Kaffee auftrug und ein- goß, warf ich einen verstohlenen Blick auf den alten Freund, der ruhig lächelnd vor sich hinsah. Neben dem Kaffee ward Weißbrvd und Honig aufgesetzt; vielleicht hätte ich dem Zucker ausweichen können, aber ich wollte Ueberwindung zeigen und ging standhaft durch die schwere Prüfung. Nachdem diese kaum beendet war, entstand Geräusch und Pochen an der Thür; sechs Knaben und sechs Mädchen traten in Sonntagskleidern zu uns ein und blieben beim Anblick der Gäste an der Thür stehen. Der Schullehrer begrüßte sie freundlich: „Hoho, ich sehe, was die Glocke geschlagen hat — Ihr wollt unter den Birnbaum und
40

