nicht ganz Martha, ich kniee auch als Maria zu deS Herrn Füßen. Lebewohl, meinLorchen; ich bleibe hier, aber liebe Dich unbeschreiblich treu. Deine Lilli.

Lorchen an die Waronin von Llden.

Wie danke ich Ihnen die Zeit, welche Sie mir geschenkt haben, meine liebe gütige Mama, und den Brief, den ich so liebe und im Herzen trage. Nicht stets mag es wohl geschehen, daß junge und ältere Menschen sich ganz verste­hen, aber Sie verstehe ich immer und hänge Dem, was Sie andeuten, gedankenvoll nach.

Oftmals erläutern kleine Begebenheiten mehr als viele Worte. Am Morgen meines Geburtstages hatte ich schon manche Erinnerung kämpfend an meiner Seele vorüberziehen lassen, bevor ich zu meiner Mutter hinabging. Mein Ge­burtstagstisch war zierlich und liebevoll geordnet, wie immer, aber er sah ernst aus, weil jede Rosenfarbe fehlte. Meine Mutter hatte viel geweint, wir hielten uns lange stumm umfaßt. Endlich sagte ich:O, weine doch nicht so an meinem Geburtstage." Da brach der lang verhaltene Schmerz übermächtig hervor.Ich soll nicht weinen! o, Lorchen, Du trittst heute in Dein zwanzigstes Jahr, und was hast Du von Deiner ersten, schönsten Jugend ge habt, was?