mir zu fordern berechtigt war? Seine Neigung zu mir war eine tiefere, innigere, als die meinige zu ihm, und das empfand ich durch ihn. Er machte niemals die kleinste Bemerkung darüber, aber in seinem Wesen lag oftmals nachdenkender Ernst, den ich wohl verstand, aber ohne mir einen Vorwurf zu machen; ich war ganz ich selber, freund­lich und herzlich, mit dem Bewußtsein, daß ich ihn lieber und immer lieber gewinnen werde. Hätte ich das nur einmal aus­gesprochen, hätte ich gesagt:Lasse mir Zeit; ich werde Dich noch einst mehr lieb haben, als Du mich, aber lasse mir Zeit." Ich sagte das nicht, er sollte es ja erfahren; wir legen uns stets die Zuknnft nach äußeren Wünschen zurecht, aber Gottes Wege sind nicht unsere Wege. Seitdem wie oft habe ich, zum Himmel aufblickend, leise gesagt:Ver- gieb mir, daß ich Dich nicht mehr beglückt habe; vergieb, daß ich, Deiner Zuneigung gewiß, und stolz auf mein ehr­liches Herz, nicht mehr Dankbarkeit und Erwiederung ge­zeigt habe." Solche Vorwürfe sind sehr schmerzlich. Nach und nach ist Ruhe in meine Seele zurückgekehrt. Ich bin wieder Lärchen, das Kind des Hauses, und lebe nur für dies Haus, für die Eltern, die mich zärtlich lieb haben. Morgens stehe ich früh auf, besorge meine Blumen, füttere das Federvieh, welches mir stets ein wahrer Scherz ist, und gehe in den Garten bis zum Frühstück, welches ich meinen Eltern bereite. Das ist eine schöne, gemüthliche

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