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Man überhäufte sie mit Gefälligkeiten, und lobte Alles, was sie sprach und that.

Ganz anders betrug man sich gegen Henriette. Weil sie nicht schön war, so bekümmerten sich auch we- nige um sie. Man unterhielt sich in Gesellschaft zwar auch mit ihr, aber mehr aus Höflichkeit, als weil man sich zu ihr hingezogen fühlte. Die Artigkeiten, die man ihr zuweilen vorsagte, kamen das konnte man deut­lich genug merken nicht aus dem Herzen, sondern waren bloß leere Worte, kurz, Henriette wurde ver- nachläßigt, während Caroline den Triumph genoß, bewundert zu werden.

Den beiden Schwestern entging nichts von dem Betragen Anderer gegen sie. Es brachte mancherlei Wirkungen bei ihnen hervor. Für Carolinen war eS sehr schmeichelhaft, daß man sie so sehr auszeichnete. Ihre Eitelkeir, die fast täglich neue Nahrung fand, wurde immer größer, und nahm am Ende ihr ganzes Herz ein. Zu Hause hatte sie keine Ruhe mehr; sie wünschte täg­lich in Gesellschaft zu gehen, um darin bewundert zu werden. Ihre häuslichen Geschäfte wurden ihr zum Ueber- drusse; so oft sie nur konnte, entzog sie sich denselben. Sprachen ihre Aeltern ein ernsthaftes Wort zu ihr, so nahm sie es übel, und glaubte in ihrem Herzen, daß ihr Unrecht geschehe. Sie hatte zwei Lehrer; aber der Un­terricht derselben fruchtete bei Carolinen nicht mehr, seitdem ihrer Eitelkeit so sehr geschmeichelt wurde. In den Lehrstunden war sie zerstreut; ihr Geist war nicht auf