streuungen, und nur selten laffen sie das menschliche Herz rein und edel, wie es nach dem Willen dessen sein sollte, der uns das Herz, der uns Gefühl sürs Schöne und Gute geschenkt hat.

Auch bei Julius, Weinholds einzigem Sohne, bewährte sich diese Wahrheit. Hunderte priesen ihn glücke lich, daß er von reichen Aeltern geboren sei, denn nichts blendet den großen Haufen der Menschen so sehr, als die vergänglichen Schätze dieser Erde. Nur wenige Ver­nünftige dachten anders, und bedauerten, daß Julius, den die Natur mit schönen Anlagen ausgestattet hatte, von dem äußerlichen Glücke zu sehr begünstigt, und in einem Hause erzogen werde, in welchem eine gute Er­ziehung unmöglich statt finden konnte.

Schön von Gestalt, wurde Julius schon als Kind mit Liebkosungen aller Art überhäuft. Clementine, seine Mutter, nannte ihn gewöhnlich ihren allerliebsten Engel, die Perle ihres Hauses, die Krone der vorneh­men Stadtjugend. Als sich vollends seine Talente im­mer schöner entwickelten, setzte sie ihren Lobeserhebungen keine Grenze. Alle, die Weinholds Haus besuchten, kannten diese Schwäche der Mutter, und richteten ihr Benehmen danach ein. Kaum hatte man sich um ihr eigenes Befinden erkundigt, so that man schon die Frage: Der liebe Julius ist doch wohl auf, und macht Ihnen mit jedem Tage neue Freuden? Von nun an war dann gewöhnlich eine Zeitlang Julius der Hauptgegenstand der Unterhaltung. Glückliche Mutter! hieß es hieraus,