Ladenburschen — denn zu diesem Posten war Gabriel junior gleich nach dem Namenstausch befördert worden — bei seiner Abreise nach der Residenz, wo er studi- ren sollte: „Bruder, leb wohl! Du hast mir ein großes Opfer gebracht, aber sei versichert, ich vergesse es dir nie!"
Dann reiste er ab, fand in der Residenz Beschützer und Gönner, und war nach fünf oder sechs Jahren auf einmal fort über alle Berge — nach Indien oder Südamerika oder auch in alle beide Länder, wie er dem Vater schrieb.
„Dein Bruder Wilhelm ist Naturforschen gegangen," sagte dieser zu Gabriel, nachdem er den Brief gelesen hatte. „Der Junge hätte wohl vorher Abschied von Hause nehmen können. Nun — er hat seinen Willen! Gott gebe, daß es ihm wohl gehe! Meinen Segen hat er mit auf den Weg."
Gabriel junior weinte ein bischen, als er den Brief des Bruders las, den er wirklich von ganzem Herzen lieb hatte — aber nach ein paar Tagen gab er sich auch zufrieden.
Jahre vergingen — Wilhelm kam von seinen weiten Reisen zurück, besuchte das väterliche Haus, wollte ein paar Wochen bleiben, reiste aber schon nach zwei Tagen wieder fort. Durch sein abentheuerliches Leben verwöhnt, starb er zu Hause fast vor lauter Langeweile. Er liebte seinen Vater, seinen Bruder (die Mutter war längst gestorben) gewiß nicht weniger, als diese ihn, aber doch — er fand einmal keine Ruhe, wenn er nicht bei seinem Gethier und Gewürm war. Und das konnte er unmöglich mit nach Lautcrberg bringen. Der Vater brummte zwar, als er, kaum ange-

