ger zu finden war; sie verließ ihn nicht, obgleich der Instinkt sie schon längst an die Reise in eine wärmere Zone mahnte, und so wurde sie ein Opfer ihrer rührenden Sorgfalt und Ausdauer, indeß die rechte Mutter ihres armen Pfleglings in dem fernen Süden ein lustiges Leben führte. Wie gefällt Dir daö, liebes Gustchen?"

O, das ist hübsch!" rief diese aus.Bon nun an werde ich die kleinen Bachstelzen noch einmal so lieb haben. Man kann von den Vögeln mancherlei lernen, und immer fällt mir ein, was in des Knaben Wunderhorn von ihnen steht:

Ihr habt nicht Koch noch Keller,

Und seid so wohlgemuth,

Ihr trinkt nicht Muskateller Und habt so freudig Blut.

Nichts haben, nichts begehren,

Ist eure Liverei:

Ihr habt einen guten Herren,

Er hält euch alle frei."

Ein leiser Seufzer glitt kaum hörbar über die Lippen der Mut­ter; sie konnte nicht wohlgemuth sein, wie die kleinen Vogel des Fel­des und des Waldes, und hatte doch denselben guten Herrn, wie jene. Sie dachte an allerlei Dinge, an denen es ihr fehlte, an das Winter­holz und an warme Kleider für beide Kinder. Nicht einmal Kartoffeln hatte sie einschaffen können für die kalte Zeit, denn der alte Bettaucr zahlte keine Zinsen mehr, und der Kaufmann, der bisher die Weiß­stickereien gekauft hatte, die sie mit so viel Geschick zu machen ver­stand, merkte kaum, daß sie jetzt wirklich aus Noth arbeite, als er auch die Preise bedeutend niedriger stellte. Manch' heimliche Thräne fiel seitdem in stiller, nächtlicher Stunde aus dem Auge der bekümmerten Mutter, aber ihren Kindern gegenüber suchte sie froh und zuversicht­lich zu scheinen. Doch es gelang ihr nicht, das scharfblickende Auge