53

der Liebe z» täuschen; Auguste und Julius wußten Beide, daß ihre Lage von Tag zu Tag bedenklicher werde; aber da sie so fleißig als möglich waren, und sich auf das Allernothwendigste beschränkten, so konnten sie nichts weiter thun, als zu Gott beten, daß er ihnen Hülfe sende zur rechten Zeit.

Indeß wuchs mit dem Winter die Sorge und der Kumnier; auch ward die kleine Waldine bald nach dem Weihnachtsfestc krank und schwebte viele lange und bange Wochen in Todesgefahr. Einen gan­zen Monat hindurch wachte entweder die Wittwe oder eines der Ge­schwister an dem Bettchen des fremden Kindes, das ihnen Allen so lieb geworden war und über dessen Wohl und Wehe sie fast das eigene vergaßen. Natürlich konnte bei einer so sorgsamen Pflege nicht viel Arbeit geschafft werden, und doch wurde das Doppelte verbraucht, denn die Medizin und der Arzt sollten doch auch bezahlt werden. Jetzt, wo man endlich Hoffnung hatte, das arme Kind am Leben zu erhalten, verordnete der Doktor Weinbäder zur Stärkung.Du lieber Gott, wo sollen wir den hernehmen!" seufzte die Malerswittwe, und Julinö stand mit niedergeschlagenen Augen, voll Schmerz darüber, daß er noch kein Mann sei und für alle seine Lieben Geld erwerben könne. Er dachte einen Augenblick an Herrn Silberstein, den er um Hülfe bitten wollte, aber da hätte er ganz gewiß wieder den Vorwurf zu hören bekommen, wie thöricht es gewesen sei, daß die Mutter da­mals nicht in den Verkauf deS Bildes gewilligt habe; nein, lieber wollte er doch noch zum Nachbar Weinhändlcr gehen und ihn um zwei Flaschen Wein bitten, die er ihin später, wenn er erst mehr verdienen könnte, sicherlich bezahlen würde. Er entschloß sich rasch und stand, ohne der Mutter etwas von seinem Vorhaben mitgetheilt zu haben, in der großen Weinstube des Nachbars, ganz athemlos von deni raschen Gange. Ein wenig zaghaft brachte er sein Anliegen vor, mit halblauter Stimuie, denn es waren Gäste im Zimmer, und dem Kna-