r.s)

Kränkung immer wieder, die sie ihm als Lehrer bereitete. Sonntags nahm er sie an die Hand und führte sie an den Läden »nd Schau­fenstern hin, zeigte ihr die schönsten Bilder und erklärte ihr bereit­willig, was sie zu wissen wünschte. Besonders war es der Laden des Kunsthändlers, wohin Julius am Liebsten seine Schritte richtete, und da stand er oft lange Zeit und schaute durch die geöffneten Thüren; denn dort hing ja des Vaters Bild, sein steter Gedanke, das Ziel seiner rastlosen Sehnsucht. Er bewachte es mit großer Nengstlichkeit, wie einen theuren Schatz, und ging, so oft er nur konnte, dahin, um sich stets von Neuem zu vergewissern, daß ihm noch kein anderer Käufer zuvorgekommen sei. Jedesmal näherte er sich dem Kunstladen mit langen Befürchtungen, mit lautem Herzschlag, bis sein Blick auf der edlen Gestalt des Heilandes ruhete, und die ausgestreckte Hand desselben auch seine Angst beschwichtigte, wie einst die unruhigen Mee­reswellen. Aber hatte denn der Knabe gegründete Hoffnung, den ersehnten Schatz jemals wieder zu seinem Eigenthum machen zu können?

In der Schule, welche Julius besuchte, ertheilte man in der Oberklasse, den fähigsten und fleißigsten Schülern jedes Jahr zwei Prämien. Die erste bestand aus einem wcrthvollen lateinischen Werke, in Prachtausgabe mit schönem Einband, darauf der Name des Em­pfängers in goldenen Lettern prangte, die zweite in einer Geldprämie von zwei Friedrichsd'or in Gold. War nun Julius an und für sich schon ein braver Schüler, so hatte er jetzt für seinen Fleiß doch noch einen besondern Sporn. Er wollte jenen Preis erringen; nicht den ersten, wie es sonst wohl sein Ehrgeiz gewesen war, ehe er in die höhere Klasse eintrat, sondern den zweiten; denn mit elf Thalern war er ja seinem Ziele schon um ein Bedeutendes näher gerückt. Kam ein Jahr angestrengten Fleißes im Abschreiben dazu, versagte er sich die Vesper, wozu ihm die Mutter vier Pfennige auf ein Brötchen zu ge­ben pflegte, weil er aus der Schule gleich in die Kanzlei des Justiz-