beamten ging, um dort zu arbeiten, oder Schreibereien abzuholen, blieb die Mutter gesund und kam sonst kein Unglück, so konnte er am Ende des Jahres möglicher Weise die dreißig Thaler in den Händen haben, die er zum Wiederankauf des Bildes bedurfte, und dann gab es keinen glücklicheren Menschen, als ihn, auf der großen Gotteserde.
Obgleich der Frühling mit seltener Milde und Lieblichkeit herankam, so lockte doch diesmal weder der ewig grüne Wald, noch die Feldblumen, die er doch so sehr liebte, »och der lustige Ruf des Kuckuks und der Gesang der Drossel den Knaben hinaus, auö dem kleinen Kämmerchen, in dem er sein Pult aufgestellt hatte, und wo er so fleißig arbeitete, daß er sich nicht einmal von seinem kleinen Lieblinge stören, ja sie oft vergebens an die Thür pochen und um Einlaß bitten ließ. Die lateinische Arbeit, welche eine Hauptbedingung bei dem zu vertheilenden Preise war, glückte dem fleißigen Burschen zu seiner eigenen Ueberraschung so sehr, daß er mit Absicht einige grammatische Schnitzer hinein corrigirte, um nur nicht etwa den einst mit so viel Ruhmesdnrst begehrten ersten Preis zu erhalten. Sein guter Stern verließ ihn auch in der mündlichen Prüfung nicht, und vor Freude erbleichend, hörte er wirklich seinen Namen zur Ertheilung des zweiten Preises ausrufen. Ach, wie heiß^hatte er darum im stillen Kämmerlein auch gebetet; auf eigene Kraft, auf sein Bischen Wissen und Können hatte er sich dabei nicht verlassen und gar wohl das Wort des großen Reforniators Luther beherziget: „Gut gebetet, ist halb studirt!
Wie ein Berauschter verließ er jetzt den Prüfungssaal, die beiden Golrstückc in der Hand. Ihm war plötzlich der Gedanke gekommen, sie dem Kunsthändler als ein Angeld zu bringen und ihn zu bitten, das Bilo doch ja keinem anderen Menschen zu verkaufen. In der Hast, womit er durch die belebten Straßen der Stadt eilte, um sein Vorhaben auf der Stelle in's Werk zu setzen, stieß er gegen den

