Sauberkeit, die darin herrschte; die Fenster waren hell und rein von Staub, der Fußboden mit weißem Sande bestreut. Umsomehr waren wir verwundert, daß über der Stubenthür sich im Hausflur ein Schwalbennest befand, dessen Bewohner lustig und ungestört aus und ein flogen. Ich sprach eben mit Mama darüber, als die gute Frau Müchler hereintrat und die letzten Worte noch hörte. „Man hat den Glauben, daß ein Schnalbennest Glück und Segen bedeute und zerstört es daher nicht gern, wo auch die lieben kleinen Thierchen es bauen mögen; ist's nicht so?" fragte Mama die Bäuerin.
„O es bedeutet nicht nur Gutes," antwortete diese, „es bringt wirklich Segen und Glück, das kann ich Ihnen versichern, denn ich hab's erfahren. Mein Mann — nun, warum sollt' ich'S nicht sagen, weiß doch Jeder, wie brav und fleißig er jetzt ist, hatte in den ersten Jahren unserer Verheirathung nicht die rechte Freude am Schassen und Arbeite». Seine Eltern, deren einzig Kind er war, hatten ihm das schmucke Häuschen mit drei Morgen Ackerland hinterlassen, und wir konnten zwei Kühe halten, die Ziegen ungerechnet. Er war lln- teroffizier bei den Soldaten gewesen und der siandwirthschaft etwas entwöhnt. Aber wer will haben, der muß graben; Arbeit hat zwar bittere Wurzel, aber süße Frucht, und wer den Kern essen will, muß die Nuß knacken, heißt's im Sprichwort, und der Gottfried rührte damals lieber die Beine zum Tanz am Sonntage, und ging meilenweit zu den Kirmessen in der Nachbarschaft, als die Hände zur Arbeit. Nicht daß er ein Trinker oder ein Spieler gewesen wäre, nein, das kann ihm Niemand nachsagen, obschon er's mit der Zeit wohl hätte werden können, aber im Wirthshaus konnt' er sich in Ruhe pflegen, ohne daß ihm, ohne Ruhm zu sagen, mein Beispiel ein Borwurf war. Denn ich hab' mein' d'ebtag' die Regel vor Augen gehabt: Schwielen an der Hand, stehen der Frau besser als Ring und Band. Nun, daß ich's kurz mache, wir kamen in der Wirthschaft alle Tage rückwärts,
t
220

