und mir die Ruhe abgerungen, mit der ich Schritt vor Schritt in meiner Mittheilung weiter gehe. Ftir Dich schrieb ich mein Lebensbuch, Du weißt Alles, was ich erlebte bis nach meiner Verlobung mit Sterneck. Da war ich, meiner Ansicht nach, zum Abschluß meines Mädchenlebens gekommen. Später erfuhrst Du den erschütternden Schlag, der mich, ganz unvorbereitet, tief und schmerzlich traf. O, so legt der schwache Mensch sein Leben zurecht, fest und sicher, ohne zu bedenken, wie wandelbar Alles ist, wie eine Stunde eben dies geordnete Leben bis in seine Grundvesten zerrütten kann! Mit Allem war ich in Zukunftsgedanken fertig; ich wollte eine treue, gute, liebevolle Frau sein und ruhig an der Seite eines geachteten, liebensmerthen Mannes mein Dasein verbringen. O, Marie, wie ist das Alles so Anders gekommen! Wie selten ist einem Wanderer vorbehalten, den einfach geraden Weg zu gehen, wie wird er hierhin und dorthin gezogen, um weinend oder heiter der neuen Richtung zu folgen! Wie viel habe ich an der Liebe meiner Eltern gehabt, wie haben sie mich getröstet und beruhigt! Meine Mutter gedachte meines ConfirmationStages: „O, Lorchen, sagte ich Dir nicht damals, daß selbst ein glückliches Leben schwere Zeiten habe? Was ich getragen habe, für Dich schien es mir zu schwer, und ich beweinte es im vorweg?." So meine weiche, gute Mutter; die Baronin würde mit ihren festen, ernsten Lebensansichten
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