>

3

galt für das reizendste Mädchen im ganzen Lande. Dies« suhlte sie, und dilvete sich nicht wenig darauf ei». Ihre Eitelkeit bekam oft Nahrung, und erreichte nach und nach den höchsten Grad.

Schön war auch Amalie. Sah man ste in Ge­sellschaft der Prinzessin There.se, so war es schwer zu entscheiden, welcher von bcivcn man den Vorzug geben sollte. Ihr Temperament war heiler, munter und leb­haft. Alles erschien ihr von der freundlichsten, lachend­sten Seite, und ihre Gouvernante suchte diese Stimmung der Seele auf alle mögliche Weise zu unterhalten; denn eine reine Heiterkeit des Gemüthes, sagte sie oft, ist nicht nur eines der kostbarsten Güter des Lebens, sondern auch der Tugend sehr ersprießlich.

Mathildens ernsteres, sanftes Wesen gefiel Amalien nicht; sie befand sich daher lieber in der Ge­sellschaft der lustigen Prinzessin Th er ese, und hielt sich fast ganz an sie. Mathilden schmerzte dieses sehr. Sie suchte Amalien, die von ihr auf das herzlichste geliebt wurde, für sich zu gewinnen, erreichte aber ihren Zweck nicht. Amalie hielt sich immer etwas entfernt von ihr, und schmiegte sich nur an die Prinzessin The­rese mit aller Anhänglichkeit und Liebe an.

Der Gräfin H ohenburg entging dies Alles nicht. Sie machte Amalien aufmerksam, wie viele Vorzüge Mathilde in sich vereinige, wie sie sich durch ihre Be­scheidenheit, ihre Kenntnisse, ihren Eifer, sich innerlich aus-