ihr Herz. Therese, der von allen Seiten geschmeichelt, und die nur immer die liebenswürdige, schone, reizende Prinzeß genannt wurde, verlor allmählich jene Beschei­denheit, die einem weiblichen Wesen zur größten Zierde gereicht. Sie fing an, stolz aus diejenigen herabzusehen, mit denen sie sonst freundlich und liebreich umgegangen war. An Allem, was ein ernsthaftes Nachdenken erfor­derte, fand fle keinen Gefallen. Sie spottete der Lchrge- genstände, die etwas trocken waren, und Anstrengung des Geistes erforderten. Jede Mühe, jede Aufopferung scheute sie. Leicht sollte ihr Alles gemacht werden, freund­lich Alles erscheinen, was sich ihr annähern wollte, und da die erster» Wissenschaften Anstrengung der Seele verlan­gen, und daS Fassen derselben schwerer ist, als an der Toilette zu sitzen, einen Blumenstrauß zu winden, und einen Walzer zu tanzen, so waren sie auch Theresen zu­wider, unv sie machte fast keine Fortschritte darin. Ihre Lehrer befanven sich dabei in der unangenehmsten Lage. Sie wollten ihr keine Vorwürfe machen, und ihre Acl-

zubilden, ihre Gutmüthigkeit und Sanftheit auszeichne, wie sehr sie daher verdiene, geliebt zu werden.

Doch die Worte der Gräfin blieben ohne die ge­wünschte Wirkung. Mathilde ist mir zu ernsthaft, sprach Am alle, und ich liebe nur freundliche, frohe Menschen. Den heitern Himmel hat man immer lieber als den bewölkten.

Amaliens häufiger Umgang mit der Prinzessin Therese hatte nicht den vortheilhaftesten Einfluß auf