Sophiens Gesundheitsumstände waren nicht die besten. Sie litt innerlich so oft, daß ihr Körper nach und nach ungemein geschwächt wurde, und ein frühes Dahinwelken, eine baldige gänzliche Auflösung befürch­ten ließ.

Sophie von Wallstein fühlte es mit jedem Tage mehr, daß sie sich mit schnellem Schritte ihrem Le­bensziele nahe. Der Gedanke, von dieser Welt abtreten zu müssen, ohne Juliens Erziehung vollendet und ihr Glück gegründet zu haben, erschütterte zuweilen ihr zar­tes, tieffühlendes Herz. Aber gleich einem Engel des Trostes trat ihr Glaube vor ihre Seele: daß Gott der Vater verlassener Waisen sei, und daß er auch für Ju­liens Bestes huldreich sorgen werde.

Aber benutzen wollte die redliche Mutter die Tage, die sie noch zu leben hatte, ihrer Tochter alles zu wer­den, was sie ihr noch sein konnte. Sie beschäftigte sich fast nur mit Julien, und senkte die besten Lehren in ihre Seele. Gewohnt, täglich reine, frische Luft zu ath. men, ging sie mit ihr alle Tage in dem nahen Garten spazieren, und ergoß gegen sie sehr oft ihr mütterliches Herz, daß Julie darüber bisweilen in Thränen der frömmsten Rührung zerfloß.

Im Hintergründe des Gartens lehnte sich eine fel­sige Wand an, dicht mit schönen Bäumen bewachsen. In tausendfältigen Krümmungen rieselten kleine, murmeln­de Bäche herab, die sich in einem Bassin versammelten, das mit Gesträuch dicht umwachsen war. Dicht nebe»