Nothfalle mit seiner Hitze entschuldigen mehr auch nicht als entschuldigen; aber ein hitziges, zorniges Weib! Sanftmuth ist der hervorstechendste Zug im Charak­ter meines Weibes, wie er das bei jedem Weibe sein sollte. Nur drei Mal erinnere ich mich, über kleine Fehler des guten Weibes mit alter Jugendhitze aufgebraust zu ha­ben; aber wie schnell entwaffnete sie durch eine Thräne, die sie verbarg, durch ihren flehenden Blick, durch ihr Bestreben, das Versehene zwiefach gut zu machen, meinen Zorn! Einmal sündigte ich doppelt, daß ich aufbrauste, und daß ich um ein Nichts aufbrauste. Ich erkannte mein Unrecht, und sie erstickte meine Abbitte mit ihren Küssen. Sanstmutb ist die köstlichste Perle im Kranze weiblicher Tugend! Wohl mir, ich habe ein liebes, freundliches, sanf­tes Weib!

Diese Sanftmuth verläßt sie auch in Krankheiten und Leiden nicht. Ich möchte sagen: sie leidet schön. Diesen Vorzug weiß ich um so mehr zu schätzen, je mehr ich ihn bei einer sonst guten Schwester vermißte. Ich liebte sie brüderlich; aber sie hörte auf liebenswürdig zu sein wenn ihr der Kopf weh that. Niemand konnte ihr dann was zum Danke machen; das kleinste Versehen reizte sie zum Zorne; kalt stieß sie jede freundschaftliche Hand von sich, und für ihre Krankcnwärterinnen mußte ich Geduld kaufen, sonst hätte es keine bei ihr'ausge­halten. Ich habe nie nöthig gehabt, eine Wärterin mei­ner Charlotte durch Versprechungen und Geschenke zu ermuntern. Selbst rohe Geschöpfe fühlten sich durch die