59
ganz dein Gemüth erfülle, und dich für immer unglücklich mache.
Rosette drückte ihre Schwester an ihr Herz, und benetzte sie mit ihren Thränen. Nanette wurde gerührt. Sie dankte für die erhaltene Belehrung und versprach , in Zukunft sorgfältiger über sich zu wachen.
In diesem Augenblicke trat die Mutter in den Garten. Sie sah ihre Töchter in Thränen. Was ist euch? fragte sie; ist euch irgend ein Unfall begegnet?
O nein, antwortete Rosette, wir befinden uns beide ganz wohl!
Wenn man sich wohl befindet, sprach die Mutter, so weint man nicht, sondern freut sich. Es muß etwas unter euch vorgefallen sein.
Rosette, die ihre Schwester schonen wollte, nahm das Wort. Liebe Mutter, sagte sie, wohl kann man auch weinen, wenn man sich glücklich fühlt; die Thränen, die man dann vergießt, sind — Freuden- thränen.
Du unterscheidest sehr genau, meine Tochter! versetzte die Mutter. Ihr habt also Freudenthränen vergossen..
Wir haben uns zum Guten ermuntert, beste Mutter! antwortete Rosette.
Wirklich meine Kinder? rief die Mutter freudig aus. O dann kommt an mein mütterliches Herz! Ihr seid meine Kinder! Ihr seid meiner Liebe werth! Gott stärke

