Sie hatte dieß bis jetzt, aus Eigennutz und Geiz, unterlassen^ und ihr war daher die Freude noch nie zu Theil geworden, die jetzt Rosette genoß. — Als die arme Familie sich empfahl, küßten alle Rosetten die -Hand, und benetzten sie mit ihren Thränen; N a n e t t e n machten sie bloß eine stumme Verbeugung.
Ein andermal fühlte sich Nanette oon neuem beschämt. Aus einem nahen Dorfe kam eine Frau mit vier kränklichen Kindern in Herrn Wölmers Wohnort. Die größte Noth, das höchste Elend drückte sich auf dem Gesichte dieser Personen aus. Rosette, die mit ihnen sprach,
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Mittel, bald einiges Geld, das sie aus ihrer kleinen Kasse nahm.
Rührend war es, als eines Tages die ganze Familie in Wölmers Wohnung kam, und mit Thränen 91 ofetten für die Unterstützung dankte, die sie den Nothleidenden hatte zukommen lassen. Die Aeltern Ro- settens, die davon nichts wußten, wurden angenehm überrascht. Der Vater wurde über das gute, wohlthätige Herz seiner Tochter beinahe bis zu Thränen gerührt; die Mutter zog sie an ihre Brust, und sagte: Wie viele Freuden machst du uns, geliebte Tochter!
Nanette stand dabei. Die Zärtlichkeit der Aeltern gegen die Schwester, die Thränen des Danks,-die von den Wangen der Armen rollten, rührten auch sie. Sie fühlte dabei, wie schön und lohnend es sei, das Seinige zum Wohlthun anzuwenden, Arme, Nothleidende und Kranke zu unterstützen, zu trösten, und zu erquicken.

