6a

und sich von ihrem Elende erzählen ließ, holte sogleich, was sie in ihrer Sparbüchse vorräthig hatte, uud schenkte es den Armen. Diese empfanden darüber die größte Freude. Herr Wölmer ließ sie in sein Zimmer rufen. Die guten Armen erschienen. Mit Thränen des Dankes benetzten fleRosettens Hände. Die vier Kinder stan­den weinend um sie, und blickten nach ihr mit dankbarem Herzen.

Warum seid ihr nicht sogleich zu mir gekommen? sprach Herr Wölmer zu den Nothleidenden. Ach, ver­setzte die Mutter, durften wir das? Als wir in das Haus treten wollten, begegnete uns eine Mamsell. Die fuhr uns an, nannte uns Bettelvolk, hieß uns weiter gehen, und sagte uns manches harte Wort. Sie ist wohl nie arm gewesen, und ihr Herz ist daher hart gegen Noth­leidende.

In diesem Augenblicke guckte Nanette aus einem Nebenzimmer in die Stube des Vaters. Eines von den armen Kindern erblickte sie. Mutter, rief es, da ist die harte Mamsell, die uns hat fortjagen wollen!

Die Mutter sah nach dem Nebenzimmer. Ach, das ist sie, sprach sie mit unterdrückter Stimme. Es ist

doch nicht vielleicht das Stubenmädchen-

Die gute Arme stockte; sie merkte wohl, daß N a n e t t e ins Haus gehöre, und glaubte, einen großen Fehler be­gangen zu haben, weil sie sie getadelt hatte.

Es ist meine jüngere Tochter, sagte Herr Wölmer. Die Frau erschrak und wurde blaß im Gesichte. Throne. I. Bd. 5