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Doch mit dieser Antwort begnügte sich Ernestine nicht. Sie fragte weiter, warum die Keltern so etwas verboten hätten?

Kunigunde redete nun frei die Wahrheit, und erzählte ihrer ehemaligen Freundin, daß Jedermann in der Stadt ihre Entfernung aus dem Hause der Tante ge­mißbilligt habe, und großen Anstoß daran nehme, daß sie jetzt mit verdächtigen übelberüchtigten jungen Leuten um­gehe. Die Aeltcrn ihrer bisherigen Freundinnen hätten es deshalb ihren Töchtern streng verboten, mit Erne- stinen umzugehen; ihr Vater habe dasselbe gethan; sie bedaure, daß ihre ehemalige Freundin in einen so Übeln Ruf gekommen sei.

Ernestine» fielen die Ausdrücke: übler Ruf, aufs Herz. Sie wurde warm, und fing an, ihre Auf­führung zu rechtfertigen. Ich habe nie etwas Böses be­gangen, dessen sich mein Herz schämen müßte! rief sie aus; daß man mich verläumdet und verdächtig zu machen sucht, ist schlecht gehandelt. Meine lieblosen Feinde ha­ben sich zu schämen, nicht ich.

Kunigunde machte sie darauf aufmerksam, daß sie wohl glaube, Ernestine habe nichts Böses began­gen, es sei aber einmal unter gebildeten Menschen Sitte, daß Mädchen in ihrem Umgänge behutsam sein, und ih­ren Ruf auf alle Weise zu erhalten suchen müßten. Leichtsinnig dürfe das Mädchen, dem seine Ehre lieb wäre, in diesem Punkte nicht sein.