jetzt lieber geschwiegen, aber Ernestine wurde zudringlich, und wiederholte die Frage.
Kunigunde antwortete nun unverhohlen, ihre Aeltern, hätten ihr verboten, Ernestinen wie bisher, zu besuchen.
bisweilen besucht wurde. Doch auch diese blieb endlich aus.
An einem Sonntage ging Ernestine mit einem jungen Mann spazieren, der sür den abgeschmacktesten Stutzer der Stadt galt. Kunigunde begegnete ihr; doch als sie Ernestinen von weitem kommen sah, bog sie um, und schlug einen andern Weg ein, um mit ihr nicht zusammen zutreffen. Aber Ernestin e rief ihr zu, und Kunigunde mußte, aus Höflichkeit, stehen bleiben.
Ernestinens Begleiter, dessen wohlfrifirter Kops von Pomadenduft umflossen war, blieb stehen, während sie Kunigunden entgegen hüpfte, und mit ihr in eine Laube ging. Kunigunde, sprach sie hier, wie kommt eS, daß auch du mich'jetzt verlässest? Du hast dich doch so lange zu mir gehalten, bist mir treu geblieben, als bereits alle meine Freundinnen mir untreu geworden waren, jetzt kommst du auch nicht mehr zu mir, und vermeidest recht absichtlich, wie es scheint, meine Gesellschaft. Woher kommt dieß? ohne Grund geschieht es nicht.
Kunigunde, die eine solche Frage nicht erwartet hatte, gerieth in Verlegenheit. Unwahrheit war ihr zuwider; denn von Jugend auf war sie daran gewöhnt worden, immer die Wahrheit zu sprechen. Sie hätte

