und wenn er sich an ihrer Seite zu erholen wünschte, verließ sie das Haus, und schwärmte in Gesellschaften umher.

Das'schlug den redlichen Mann sehr danieder. Er machte Ernestinen Vorstellungen; sie verlachte sie; er suchte durch Nachsicht und zuvorkomniende Gefälligkeit ihre Liebe zu gewinnen; sie schien es nicht zu erkennen

und machten sie darauf aufmerksam, daß sie ihr Gluck selbst von sich stoße, und am Ende eine alte Jungfer bleiben werde. Ei, warum das nicht, versetzte sie ge­wöhnlich; geht der eine fort, so wird schon ein anderer kommen!

So trieb es die leichtsinnige Ernestine mehrere Jahre hindurch. Endlich stand sie im sechs und zwan­zigsten Jahre, und es schien, als wenn Niemand mehr Lust hätte, sie zur Frau zu nhemen. Da erschien aus einem fremden Lande ein junger Fabrikant, der ihr seine Hand bot. Er war unbegütert, aber ein geschickter und rechtschaffener Mann. Vor sechs, acht Jahren würde Ernestine ihn mit Verachtung abgewiesen haben, jetzt nahm sie seinen Antrag in Ueberlcgung, und noch war keine Woche verstossen, so hatte er ihr Jawort.

Der gute, unglückliche Mann! Ernestine war kaum seine Frau, als sie ihn durch ihren Leichtsinn auf mancherlei Weise zu kränken suchte. Sie wollte, wie sie vorgab, seine Liebe auf die Probe stellen, und machte ihm oft Tage lang kein freundliches Gesicht; in Gesell­schaft behandelte sie ihn mit kränkender Gleichgültigkeit,