Nach wenigen Monaten war Hochzeit. Sie wurde mit vielem Glanz und Pomp gefeiert. Caroline, als die Königin des Festes, war prächtig geschmückt, und alle Mädchen, die geladen waren, beneideten sie. Hen­riette wurde wenig bemerkt; bescheiden nahm sie an den Lustbarkeiten des Festes Theil, und gönnte von Herzen der Schwester ihr Glück. Das Einzige that ihr weh, daß Caroline sie kaum ihrer Aufmerksamkeit würdigte, mit ihr wenig sprach, geflissentlich es vermied, in ihre Nähe zu kommen, und sich gleichsam der guten, treffli­chen Henriette zu schämen schien.

Nach beendigter Hochzeit nahm Caroline von Henrietten und der Tante kalt Abschied, und fuhr mit ihrem Manne nach Sonnenthal, wo sie auf das glänzendste empfangen wurde. Sie kam in ein Haus, das für eines der ersten in der Stadt galt; Alles, was sie umgab, schien da zu sein, um ihr ihren neuen Aufent­halt angenehm zu machen; man begegnete ihr mit zuvor­kommender Gefälligkeit; Jedermann bestrebte sich, ihre Gunst zu erhalten, und Carolinen schien es, als wäre sie in den Vorhof des Himmels versetzt.

Henriette blieb auch nicht lange unverheirathct. Ein Forstmeister, Namens Langermann, lernte sie kennen. Ihr bescheidnes, gutmüthiges Wesen gefiel ihm. Er befragte Andere über ihren Charakter; Jedermann gab ihr das beste Zeugniß. Langermann, der sein gutes Auskommen hatte, und dessen Geradheit und Recht- schaffcnheit allgemein geschätzt wurde, bewarb sich um

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