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m er sie nie ansehen, ohne daß sich ein geheimer Unwille gegen sie in seinem Innern regte.
Eines Abends, als sich die glückliche Henriette zu Bette legen wollte, wurde an ihr Haus gepocht. Wie sehr war sie überrascht, als — Caroline in ihr Zimmer trat, und ihr weinend in die Arme fiel. Schwester! rief sie aus, ich bin unglücklich! nimm dich meiner an!
Caroline erzählte nun, daß ihr Mann sie von sich verstoßen, und den Entschluß gefaßt habe, sich von ihr scheiden zu lassen.
Henriette und ihr Gatte nahmen an Karolinen s Lage den aufrichtigsten Antheil. Die erstere schrieb ungesäumt an Holm er, und bat ihn, der Welt kein Aergerniß zu geben, und seine Gattin nicht zu verlassen. Er antwortete in einem verbindlichen Tone. Hätte Caroline — so schrieb er — Henriettens Geistesbildung, ihren Sinn fürs Schöne und Gute und für die reineren Freuden des Lebens; käme sie ihr an innerer Schönheit, die allein auf immer das Herz fesseln könne, nur zur Hälfte gleich;" so würde er seine Liebe zu ihr nie verändert haben, er würde ihr mit ewiger Treue und Achtung zugethan geblieben sein. Nichts bedaure er mehr, setzte er hinzu, als daß er nicht um Henriettens Hand angehalten habe; mit ihr hätte er gewiß glücklich gelebt.
Henriette wollte diesen Brief ihrer Schwester nicht mittheilen. Diese bestand aber darauf. Mit Beschämung las sie ihn. Mitunter wandelte sie auch ein heimlicher Unwille an.

