man es in unserem Alter wohl immer ist. Wir armen thörichten Menschen glaubten, über Alles gedacht, über Alles uns gegeneinander ausgesprochen zu haben; wir dachten auch an Trennung, aber sie lag uns noch fern. Auf den Schlag, der mich getroffen, war ich nicht vorbereitet, immer dachte ich. Er werde mich verlieren. So hat es nicht sein sollen aber mir ist, als trüge ich den Namen, der mir zuge­dacht war, als müsse ich ihm mehr Ehre noch machen, als demjenigen, den ich in Wirklichkeit trage. O liebste, ver­ehrte Mama, wenn ich die Aufgabe lösen will, muß ich viel demüthiger noch werden, viel stolzer auch im Abwenden von allem Bösen, aber ohne Selbstgerechtigkeit. So war Iterneck; er ging ruhig an allein Geringen vorüber, für ihn gab es überall hin Grenzen, die er nicht überschritt, aber er hätte das Gegentheil unmöglich gefunden. Monate nach seinem Tode machte ich mir Vorwürfe, wenn ich hei­ter war, wenn ich lachte. Das thue ich nicht mehr; ick ehre sein Andenken, ich bestrebe mich, besser zu werden, aber ich gebe mich ganz einfach dem Leben der Gegenwart hin, was ja nach Außen hin still und ruhig vergeht. Ich bin wieder Lorchen, die einzige Tochter des Hauses, die so viel Grund hat, dankbar, thätig, liebevoll zu sein. Aeußerlich bin ich wohl nicht ganz dieselbe; meine Mutter behauptet, ich habe eine kleine Falte an den Augen be­kommen und einen Schmerzenszug um den Mund. ~

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