uns; ach, ich bedarf deines Rathes, deiner Leitung noch so sehr! Wie unglücklich bin ich, wenn du stirbst!
Julie! versetzte die Mutter, was ich dir noch zu sagen hatte, hast du größtenteils schon von mir gehört. Ich sage dir jetzt, wo meine letzte Stunde bald schlägt, noch das Wichtigste. Last nie ab von dem Glauben an Gott, vertraue ihm mit Liebe, und liebe ihn mit Vertrauen, und verlierst du Alles, so verliere nur dich selbst und die Religion nicht; dann darfst du nicht verzweifeln. Geht es nach meinem Wunsche, so werde ich unter diesen Linden begraben. Besuche zuweilen die Stelle, auf der ich ruhe, und erinnere dich der Mutter, die dich unaussprechlich liebte, und der Lehren, die sie dir hier gegeben hat. Ist dein Herz, deine Tugend in Gefahr, so sei dieser, mir so theure Platz deine Zufluchtsstätte, die dir Kraft verleihe, den Lockungen der Welt und den Neizun- gen zum Bösen zu widerstehen.
Julie lag weinend an der Mutter Brust. Sprechen konnte sie nicht. Diese Stunde war für sie eine heilige Stunde. Roch nie bemerkte Gefühle regten sich in ihrem Innern. Tief gerührt verließ sie mit der geliebten Mutier den Garten.
Es währte nicht lange, so war Sophie von Wallstein nicht mehr. An ihrer entseelten Hülle stand der trauernde Gatte, die tiefgebeugte Tochter und mehrere Freunde, die an der Verstorbenen mit Liebe und Verehrung gehangen hatten. Julie wollte vergehen vor

