44

Das erste Jahr ihrer Ehe ging noch so ziemlich froh hin. Der junge Ehemann bemerkte den Fehler seiner jungen Frau, aber als junger Ehemann. Ihre Vor­züge waren ihm weit überwiegend, und mit der Kleinig­keit, dachte er, würde sich's schon geben. Es gab sich » nicht. Julchcn ward Mutter von einem Kinde, und nun wurde das Uebel ärger. Ihr Mann machte ihr sanfte Vorstellungen; ste versprach, was sie nicht hielt.

Als sie vollends Mutter von zwei Kindern war, glaubte Julchen für ihren kleinen Fehler, wenn es ja ein Feh­ler wäre, hinlängliche Entschuldigung zu haben. Wer kann, sagte sie, bei zwei kleinen Kindern immer geputzt gehen?Aber, liebes Weib versetzte der Mann das fordre ich ja nicht; nur Reinlichkeit!"

Ei nun, so abscheulich schmutzig gehe ich doch auch nicht!"

Der Mann ärgerte sich; die Frau schmollte.Du liebst mich nicht mehr; sonst würdest du mir eine so ge­rechte Bitte nicht abschlagen, und es kann dir an meiner Liebe nichts gelegen sein; sonst würdest du dich nicht so sehr vernachläßigen. Du Putzest dich, wenn du in Gesell­schaften gehen willst, für andere; für deinen Mann ist dir alles gut genug!" So machte er ihr täglich Vor- « würfe, und ich glaube nicht mit Unrecht.

Du liebst mich nicht mehr; sonst würdest du aus solchen Bagatellen nicht so viel Aufhebens machen!" entgegnete seine Frau. Er warf ihr Unbiegsamkeit, Eigen­sinn, Trotz vor; sie ihm Despotismus. Ihre gemein-