53
O es macht mir ja alles, alles recht viele, viele Freude! versetzte Nanette in einem empfindlichen Tone. Aber die Freundinnen, die mir hier so schöne, kostbare Sachen schenkten, haben dieß doch auch mit einem aufrichtigen Herzen gethan. Daran zweifelst du doch nicht?
Ich verstehe dich, Nanette! erwiederte die gekränkte Schwester. Eine Thräne des Unmuths und des beleidigten schwesterlichen Gefühls drängte sich in ihr Auge. Sie ging nach der Thüre des Zimmers, öffnete sie, und entfernte sich aus der Gesellschaft,
Nanettens Freundinnen sahen einander an. Jede von ihnen fühlte es, wie unartig sich Nanette gegen ihre Schwester betragen habe; sie bedauerten 9tofetten, und gaben ihr Recht. Nanetten tadelten und verachteten sie im Herzen, ob sie ihr dieses gleich weder sagten, noch auf eine andere Weise zu erkennen gaben. Deshalb glaubte diese auch, daß sie durch ihr unbilliges Benehmen gegen die Schwester in der guten Meinung ihrer Freundinnen nichts verloren habe. So täuscht sich manches Mädchen. Es wähnt, es bemerke Niemand die Fehler, an denen es leivet, weil Niemand diese Fehler laut tadelt; aber im Innern mißbilligt sie Mancher, und Dem, der unsichtbar unsere Schicksale leitet, und unsre geheimsten Gedanken und Regungen kennt, bleibt keine unsrer Untugenden unbekannt, wenn sie auch allen Menschen ein Geheimniß bliebe.
Nanettens Freundinnen suchten Rosetten auf. Sie fanden sie in dem Garten in einer Laube, wo fie

