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Die Tochter erzählte nun, daß man den Brief auf der Post nicht mehr habe annehmen wollen. Als die Mutter aber erfüll, daß Ernestine zu spät nach der Post gegangen sei, wurde sie unwillig und sprach: Dein Leichtsinn hat deinem Vater einen bösen Streich gespielt. Er bekommt nun den Brief nicht zur rechten Zeit; dieß wird ihm bei seinem Weineinkaufe den größten Schaden zufügen. Daß man sich auf dich doch so wenig verlassen kann! Nicht Freude, nur Verdruß machst du deinen Ael- tern! Geh mir aus dem Gesichte, du Leichtsinnige!
Ernestine mußte in die Kammer, wo sie zu weinen anfing. Des Abends ließ ihr die Mutter durch die Köchin etwas zu essen bringen; sehen durfte aber Ernestine ihre Mutter diesen Tag nicht mehr. Am andern Morgen näherte sich die leichtsinnige Tochter derselben mit Thränen, und bat um Verzeihung. Die Mutter sah sie ernsthaft an, und sagte: Ich habe dich oft gebeten, nicht so leichsinnig zu sein, du hast mir nicht gefolgt; zeige in Zukunft, daß du verständiger geworden bist, dann werde ich dir wieder gut sein; eher nicht.
Ernestine befand sich einige Tage hindurch in einer peinlichen Lage, denn die Mutter machte ihr kein fteundliches Gesicht. Kein Essen wollte ihr schmecken, keine Arbeit gelingen, kein Spiel und kein Vergnügen behagen, und der Mutter näherte sie sich nur mit Aengst- lichkeit und niedergeschlagenem Auge.
Doch dieses dauerte nur einige Tage. Ernesti«

