nens Leichtsinn erwachte von neuem, und das Vorgefallene war balv vergessen.
Der Vater kehrte zurück. Den Brief seiner Frau hatte er wirklich zu spät erhalten. Sein Einkauf war deßhalb nicht ganz vvnheilhaft ausgefallen, und er versicherte, daß die zu späte Ankunft des Briefes ihm einen Schaden von mehreren tausend Thalern zugefügt habe.
Als Herr Ehrenreich erfuhr, daß an diesem Verluste nichts anders Schuld sei, als der Leichtsinn seiner Tochter, wurde er unwillig über Ernestinen, und machte ihr starke Vorwürfe. Sie wirkten auf sie, doch nur eine Zeitlang; in wenigen Tagen war Alles wieder vergessen, und Ernestine von neuem die alte Leichtsinnige.
So ging es von Jahr zu Jahr. Ernestine wurde älter, aber der Leichsinn verließ sie nie. In ihrem Umgänge mit Andern war sie nicht vorsichtig genug; sie erlaubte sich oft ein unanständiges Betragen in Gesellschaft, führte freie Reden, verletzte bisweilen sogar die Gesetze der Schamhaftigkeit und Sittsamkeit, urtheilte über Andere unüberlegt und voreilig, zog sich und Andern dadurch großen Verdruß zu, und wurde von Niemandem aufrichtig geschätzt und geliebt.
Da übrigens Ernestine ein schbnes Aeußere besaß, so sah sie sich gewöhnlich von viele» jungen Männern umgeben, die ihr die übertriebensten Schmeicheleien sagten. Sie war viel zu leichtsinnig, als daß sie diese Schmeicheleien nicht für baarc Wahrheit aufgenommen

