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ihren Vormund, er möchte sie in ein anderes -Haus bringen. Dieser machte ihr Vorstellungen, aber sie fruchteten nichts; sie bestand aus ihrem Verlangen.
Als die Tante hörte, daß ihre Nichte von ihr sich wegwünsche, ging sie selbst zum Vormunde, und erklärte ihm, sie könne Ernestinen nicht länger in ihrem Hause behalten; sie müßte sobald als möglich von ihr weggenommen werden. Jedermann, der davon hörte, tadelte das leichtsinnige Mädchen, das nirgends besser aufgehoben werden konnte als bei der Tante.
Ernestine kam nun in das Haus eines weitläuf- tigen Anverwandten, wo sie zwar nicht getadelt, aber in sittlicher Hinsicht noch mehr verdorben wurde. Es gingen in diesem Hause viele Menschen aus und ein, die nicht in dem besten Rufe standen. Ernestine wußte dieß; dessen ungeachtet ging sie mit diesen Leuten auf traulichem Fuße um, schäkerte, spielte und tanzte mit ihnen, und ließ sich nicht nur auf öffentlichen Spazier- gängen, sondern auch an öffentlichen Orten, auf-Bällen u. s. w. in der Gesellschaft derselben sehen. Das machte in der ganzen Stadt Aufsehen, und erregte gegen Ernestinen viel Mißtrauen. Aeltern, welche Töchter hatten, baten diese, nicht so zu werden, wie Ernestine, und mit ihr keinen Umgang zu Pflegen.
Nach und nach sah sich Ernestine von allen ihren Freundinnen verlassen. Sie wußte sich dieses nicht zu erklären, und empfand heimliche Schmerzen darüber. Kunigunde war die einzige, von der sie noch

