I. Palmen

Die Palmen sind raeist Bäume, deren Stamm unverzweigt und säulenförmig oft bis zu einer gewaltigen Höhe, in einigen Fällen bis 25 m und darüber sich erhebt und an Stelle der vielfach ver­zweigten Krone der europäischen Laubholzbäume nur an seiner Spitze eine einzige, dichte Laubrosette von fieder- oder fächerartig ausge­prägten riesigen Blättern bildet (Fig. 1). Durch die gewaltige und eigenartige Entwicklung dieser Baumformen wird das Gepräge der Tropenlandschaft naturgemäß ganz wesentlich bestimmt.

Aber trotz des riesigen Wachstums der oberirdischen Teile gelangt das Wurzelsystem dieser Gewächse auch nicht annähernd zu einer solchen Ausgiebigkeit, wie bei den Waldbäumen des gemäßigten Klimas. Die Bildung einer Pfahlwurzel unterbleibt ganz, und die Entwicklung der Wurzel erhebt sich kaum über den Typus der Faserwurzel, der überhaupt in der Abteilung der Monocotylen, welcher die Palmen an­gehören, verbreitet ist.

Der Stamm der Palmen ist in der Regel mit Blattresten oder Blattnarben bedeckt, und die am Scheitel desselben verschwindend kleinen Internodien bleiben auch nach der Streckung des Stammes an den erwachsenen Teilen desselben meist nur kurz. Nur die Rotang­palmen (Calamus- Arten und verwandte Formen), deren verhältnismäßig sehr dünne Stämmchen durch ganz besondere Vorrichtungen zum Klettern oder Kriechen befähigt sind, bilden' oft recht beträchtliche Internodien aus.

Als Ausnahme von dem allgemeinen Palmentypus dürften sonst noch die Hyphaene - Arten, die sog.Dumpalmen" gelten, deren Stämme in der Regel einige Verzweigungen bilden (Fig. 2), während die Verzweigung von Cocospalmen, namentlich aber diejenige der Delebpalmen nur ausnahmsweise eintritt. Bei anderen Palmen da­gegen, wie z. B. bei Phytelephas-Arten, bei Chamaerops humilis, bei der Sagopalme {Metroxylon Rumphii Mart.), sowie bei der ostafrika­nischen Raphia-~Palme und einigen anderen, weniger bekannten Arten schreitet die Stammentwickelung kaum bis zur Säulenform vor.

Die BlattentWickelung ist stets eine ausgiebige, namentlich sind die Blätter selbst sehr groß; sie sind im ausgebildeten Zustande

Sadebeck, Kulturgewächse d. deutschen Kolonien.