X. Gummi, Harze und Kopale.
(Bearbeitet von Dr. E. Gilg.)
A. Gummi.
Schon im frühesten Altertum spielte das Gummi Afrikas einen sehr geschätzten Handelsartikel. Auf ägyptischen Denkmälern aus Zeiten, welche bis 17 Jahrhunderte vor Christi Geburt zurückliegen, findet sich häufig der Ausdruck: Kami — en punt, d. h. Gummi aus dem Lande Punt. Das Wort Kami wurde dann durch die Griechen in %cfi(ii umgewandelt und liegt so direkt unserer jetzigen, viel mißbrauchten Bezeichnung für den charakteristischen Klebestoff „Gummi" zu Grunde. Unter dem Lande Punt (manchmal auch Puone genannt) begriff man die Gebiete am Busen von Aden, d. h. die Südküste von Arabien und die gegenüberliegende Küste des afrikanischen Festlandes, das Gebiet der Somali, vielleicht noch die Insel Sokotra mit eingeschlossen. Jetzt wird in Arabien kein Gummi mehr gewonnen, und wir haben guten Grund, anzunehmen, daß auch schon damals das im Somalilande gesammelte Gummi auf dem Handelswege nach Arabien und erst von dort aus in den Welthandel gelangte.
Im Handel unterscheidet man sehr zahlreiche Sorten von Gummi, welche sich jedoch in die zwei Hauptklassen Gummi arabicum und Gummi senegalense bringen lassen. Wir wissen auch, daß von mehreren Arten der Leguminosengattung Acacia Gummi gewonnen wird, doch dürfte weitaus der größte Teil allen Gummis, besonders sicherlich alle besseren Sorten, von Acacia Senegal Willd. abstammen, einem jener bekannten Schirmakazienbäume der Steppengebiete Afrikas, welcher im ganzen Tropengebiete von Ost- bis Westafrika verbreitet ist und stellenweise größere Bestände bildet. Bei genauerer Untersuchung zeigt es sich auch thatsächlich, daß im Somalilande gesammelte und deshalb eigentlich als Gummi arabicum zu bezeichnende Stücke durchaus mit dem westafrikanischen Gummi senegalense übereinstimmen, sodaß anzunehmen ist, die im allgemeinen in untergeordneten Punkten abweichenden Sorten seien auf klimatische Verhältnisse der verschiedenen Gebiete oder aber auf die Behandlungs- weise des Gummi durch die sammelnden Eingeborenen zurückzuführen.

