XII. Faserstoffe.
Die Faserstoffe des Pflanzenreiches werden entweder direkt von den Samenhaaren der Früchte gewonnen {Gossypium, Bombax, Ochroma u. s. w.) oder von der Fruchtschale (Cocos nucifera) oder endlich aus den Vegetationsorganen, den Stengeln und Blättern {Agave, Phormium, Sansevieria, Musa, Boehmeria, Corchorus u. s. w.). In dem zuerst genannten Falle ist der Faserstoff ganz direkt der Pflanze zu entnehmen, in den beiden letzteren Fällen sind "bestimmte Vorrichtungen behufs der Isolierung der Fasern, namentlich aus den Vegetationsorganen nötig, und es sind daher besondere Entfaserungsmaschinen konstruiert worden, welche bei mehreren der genannten Gespinnstfaserpflanzen allerdings mit Vorteil anwendbar zu sein scheinen.
Fast nur vereinzelt werden ganze Pflanzen oder Zweige {Tillandsiä), ganze Blätter (Stipa tenacissima L., Esparto) oder Blattabschnitte {die zerschnittenen und alsdann zusammengeflochtenen Blätter von Chamaerops humilis), ganze, von den Aehrchen befreite Fruchtstände (Sorghum -Arten) u. s. w. benutzt.
Die Verwendung ist eine sehr vielfache, erfolgt indessen der Hauptsache nach doch wohl in der Textil-Industrie, außerdem aber für Seiler-Arbeiten (Hanf, Flachs, Manilahanf, Sansevieria u. s. w.), Flecht- und Binde-Arbeiten (ganze oder zerteilte Palmenblätter, Esparto, Lindenbast, Raphiabast u. s. w.), Besen u. dergl. (die verschiedenen Piassave - Arten, Reisbesen, Esparto), für die Papierfabrikation u. s. w.
1. Sansevieria-Fasern, Sansevieria- Arten (Liliaceae).
Da der Raphia-Bast und die Raphia-Piassave, welche aus den Blättern resp. Blattstielen afrikanischer Raphia-Palmen gewonnen werden und seit Jahren in den europäischen Handel eingeführt sind, offenbar nur in einer erweiterten Umgrenzung des Begriffes als „Faserstoffe" bezeichnet werden könnten, so ist die Behauptnng wohl

