Eigentliche Genußmittel.

141

Jahre 1632 gab es in Kairo schon über 1000 öffentliche Kaffeehäuser. Auch in Europa wurde z. T. gegen das Kaffeetrinken vorgegangen, und 1675 ließ Karl II. die Kaffeehäuser alsBrutstätten der Revolution' 1 schließen. Nichtsdestoweniger wurde der Genuß des Kaffees immer allgemeiner und auch den größeren Schichten der Bevölkerung zu­gänglich. Dies war aber erst möglich, als die Kultur der Kaffee- bäumchen nicht mehr auf das südliche Arabien beschränkt blieb, son­dern auch in anderen Gegenden der Tropen in umfassender Weise eingeführt wurde. Die Holländer hatten im Jahre 1650 einige Kaffee- bäumchen von Mekka nach Java gebracht und bereits 1690 ansehn­liche Plantagen im Betriebe, welche sie später auch auf die anderen Sundainseln und auf Ceylon ausdehnten. Im Jahre 1710 wurden mehr als 100 junge Kaffeebäumchen nach Amsterdam geschickt, wo sie in dem Botanischen Garten untergebracht wurden. Eines derselben wurde 1714 an Ludwig XIV. nach Paris gesendet; es wurde im Garten von Marly sorgsam eingepflanzt und durch Samen vermehrt, so daß schon 1720 A. de Jussieu einige Pflanzen nach Martinique senden konnte. Leider gelangte nur eine dieser Pflanzen lebend an ihrem Bestim­mungsorte an, aber sie entwickelte sich vorzüglich und ist als die Stammpflanze der sich über das tropische Amerika rasch verbreitenden Kaffeekultur zu bezeichnen.

Schädlinge. Der gefährlichste Feind der Coffea arabica ist ein Hostpilz, Hemileia vastatrix Berk, et Be., welcher auf den Blättern mehr oder weniger kreisrunde, im Durchmesser etwa 3 / 2 3 / 4 cm große, gelbe Flecken hervorruft und das Abfallen der Blätter verursacht. Diese Blattfleckenkrankheit der Kaffeebäume ist zuerst im Jahre 1869 auf Ceylon beobachtet worden, woselbst sie im Laufe der darauf folgenden Jahre in solchem Umfange die Kaffeeplantagen verheerte resp. vernichtete, daß man von weiteren Versuchen, dieselben neu einzurichten. Abstand nahm und an ihrer Stelle die Theekultur einführte. H. Mar­shall Ward, der zuerst die Entwickelungsgeschichte und Morphologie dieses Pilzes klargelegt hat 1 ), fand denselben auch auf Coffea travan- corensis Wight et Arn., welche in den Dschungeln Ceylons wild vor­kommt. Ward vermutete, daß der Pilz von dort auf Coffea arabica über­gegangen ist. Jetzt wissen wir, daß der Pilz auch andere Goffea-Arten, Coffea liberica Hiern und G. laurina Smeathm., sowie überhaupt auch andere Rubiaceen befällt, wie z. B. in dem Botanischen Garten zu Buitenzorg Gardenia- Arten, welche sich in der Nähe infizierter Coffea arabica befanden. Ueber die ursprüngliche Wirtspflanze herrscht daher noch einige Unklarheit; auch ich habe den Pilz auf Blättern der Coffea arabica gefunden, welche von der letzten Reise Dr. Fischer's nach Centraiafrika (1885) stammen; aber eine nähere Standortsangabe habe ich vergeblich gesucht. Nach den anderen in demselben Herbarfascikel liegenden Pflanzen zu urteilen, sind die genannten Blätter, welche offen-

1) H. Marshall Ward, On the Morphology of Hemileia vastatrix Berk, et Br., the Fungus of the Coffee Disease of Ceylon. (The Quarterly Journal of micro- scopical Science, Vol. XXI, New Ser. 1881. I.)