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VI. Kapitel.
Cortex Cinnamomi Cassiae, Cortex Cassiae Cinanmomi. Chinesisch: Kwei, Qwai, Yuk Qwai she.
Dieser Baum wird bis jetzt nur in den chinesischen Zimtgärten westlich von Canton, in der Provinz Kuang-si, in größerem, für den Export der Rinde berechneten Maßstabe angebaut und zwar besonders zwischen 22° 52' und 23° 24' nördl. Breite und 110° 18' bis 118° 0' östl. Länge von G-reenw. Die Hauptstadt dieser Provinz heißt Kwei- (Kuei)-lin-fu (d. h. Zimtwald). Die Kultur weicht von der des ceylonischen Zimtbaumes wesentlich ab, da der chinesische Zimtbaum nicht aus Stecklingen oder Senkern, sondern fast ausschließlich aus Samen gezogen wird. Ungefähr 6 Jahre nach der Aussaat werden die ersten Rinden von den Bäumchen entnommen und für den Versand fertiggestellt, was indessen hier in einer vereinfachten Weise erfolgt x ). Bei der Ueber- tragung aus den Saatbeeten in die definitiven Standorte ist ebenfalls auf die große Empfindlichkeit der Wurzeln Bedacht zu nehmen, welche hier nicht geringer ist, als bei Cinnamomum zeylanicum.
Die als Droge oder Handelsware ausgeführten Rindenstücke sind meistens mehr als 1 mm dick und werden in Bündeln zusammengepackt; die Ware hat den Namen Cassia lignea (man vergl. unten). Aus derselben wird in gleicher Weise wie aus dem Ceylon-Zimt ein Oel gewonnen, das Cassia - 0 e 1 (Oleum Cassiae), welches dem Zimtöl kaum nachsteht.
Geschichte. Der chinesische Zimt gehört zu denjenigen Handelsartikeln, welche seit uralten Zeiten als „Gewürz" Verwendung gefunden haben; er wird nach Bkettschneideu 2 ) bereits in einem Kräuterbuche des chinesischen Kaisers Schen-Nung um das Jahr 2700 vor unserer Zeitrechnung unter dem Namen „Kwai" aufgeführt. Dieser Name „Kwai" hat sich also seit jenen uralten Zeiten unverändert bis jetzt für Zimt erhalten (man vergl. oben). Die Aegypter wurden schon im 17. Jahrhundert v. Chr. infolge des damals bereits ausgebildeten Handelsverkehrs Chinas mit den Indiern, Persern und Arabern mit einer Rinde bekannt, welche wohl kaum etwas anderes als Zimt gewesen sein kann 3 ). Auch im alten Testament wird der Zimt, in 2 Sorten unter den Namen Cinnamomum und Kasia, als wertvolles Räuchermittel und Gewürz erwähnt, welches von den Phöniziern bezogen wurde; das griechische Wort „üutWfAra/iov" soll nach Lassen auch aus dem Phönizischen stammen. Die Phönizier hielten übrigens alles, was sie von der Herkunft des Zimtes wußten, in echt kaufmännischer Weise geheim; darauf
1) lieber die Anzucht und Ernte teilt Flückigek (S. 592) mit, daß die jungen Pflanzen nach einem Jahre in die schmalen Terrassen der steil und 300 bis 400 m ansteigenden Berglehnen versetzt werden. Nach 6 Jahren haben die Stämme ungefähr 26 mm Durchmesser erreicht, worauf man sie abschneidet, von Blättern und Zweigen befreit, in Abständen von 40 cm mit Eingelschnitten versieht und der Länge nach in 2 gegenüberliegenden Eichtungen aufschlitzt. Um die beiden ungefähr l 3 / 4 mm dicken Eindenstreifen abzulösen, bedienen sich die Pflanzer eines besonderen Hornmessers; mittels eines kleinen Hobels entfernen sie den Kork und verpacken die genügend getrocknete Ware schließlich in Bündel von nahezu 46 cm Durchmesser. Nur wenige Bäume läßt man in den Pflanzungen 10 Jahre oder länger stehen, um Samen zu erhalten. Solche Stämme mögen wohl den bis über 12 mm dicken, äußerst feinen Zimt geben, welcher in Canton sehr hoch geschätzt wird, aber nicht außer Landes geht.
2) Pharmacographia, p. 520.
3) Schumann, a. a. O.

