252
IX. Kapitel.
Indigofera Anil L., ohne blasige Auftreibungen der Hülse, aber mit einer auf beiden Seiten der Hülse etwas schwielenartig hervortretenden Naht, sonst wie vorige. Tropischer Kosmopolit.
Indigofera argentea L., ein Stranch mit einem anliegenden, weiß- oder silberweiß-seidenartigen Flaum auf den Zweigen und Blättern, an den letzteren nur 1 oder 2 Fiederpaare. Mit Blütentrauben, welche kürzer als das Tragblatt sind, und mit hängenden, etwas zusammengedrückten, grauweißen, 2—4-samigen Hülsen, welche blasige Auftreibungen zeigen. Die Heimat der Pflanze ist Nordafrika und Südwest-Asien.
Verwertung. Die Gewinnung des blauen Farbstoffes, des In- digos, erfolgt im wesentlichen auch heute noch nach uralten Methoden. Zu der Zeit der Blüte werden die Pflanzen gemäht, d. h. etwa 5 bis 10 cm über dem Boden abgeschnitten, möglichst bald zerkleinert und in Wasser erweicht, wobei sie durch schwere oder mit Steinen beschwerte Bretter bedeckt werden, bis das Wasser grünlich oder grünlich-gelb geworden ist. Diese grünlich-gelbe Flüssigkeit bezeichnet man mit „Nila". Dieselbe [wird nun in einen! anderen Bottich abgelassen, woselbst sie einige Stunden durch Schaufeln, Bäder u. dergl. in Bewegung erhalten wird, damit sie möglichst gründlich mit dem Sauerstoff der atmosphärischen Luft in Berührung kommt. Hierbei geht die grünliche Farbe allmählich in eine blaue über; es bildet sich Indigo, der sich aber erst nach längerer Zeit am Boden des Gefäßes als Niederschlag absetzt und nun leicht durch Filtration, am bequemsten durch die Anwendung von Tüchern, von der Flüssigkeit abgeschieden werden kann.
Die obige Schilderung wurde etwas knapp gehalten, weil die Gewinnung des natürlichen Indigos jetzt entfernt nicht mehr die Bedeutung erreicht, welche sie früher gehabt hat, und namentlich durch die von A. v. Bayer entdeckte Darstellung des künstlichen Indigos mehr und mehr verdrängt wird.
Es ist daher auch die Anpflanzung und Kultur der Indigopflanzen nicht mehr zu empfehlen.
3. Orlean, Uruku, ßoukou, Bixa Orellana L. (Bixaceae).
Ein Strauch des tropischen Amerika mit eiförmigen, an der Basis herzförmigen, am Ende zugespitzten, ganzrandigen und langgestielten Blättern, deren Nebenblätter früh abfallen, aber Narben zurücklassen. Die Frucht ist eine mit v stacheligen Borsten besetzte, braunrote, zwei- klappige, einfächerige Kapsel und enthält in jeder Klappe eine von der Basis zur Spitze verlaufende mediane, etwa 1 — 1 1 / 2 mm breite Placenta, an welcher zahlreiche gestielte Samen sitzen. Dieselben sind verkehrteiförmig, oben abgeplattet und von einer Längsfurche durchzogen; die äußere Schicht der Samenschale ist bedeckt von einer großen Anzahl roter, fleischiger, zu einer Masse sich vereinigender, kleiner Papillen, die innere ist hart.
Verwertung. Die äußere Schicht der Samenschale trägt den Orlean, der zu kleinen Kuchen geformt wird und so zum Verkauf gelangt. Er dient

