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X. Kapitel.

Afrika, trat nun gegen die Mitte unseres Jahrhunderts noch ein drittes hinzu, welches an Gummi unerschöpflich erschien, Kordofan, bezw. das ganze Centraiafrika. Anfangs kamen zwar nur kleine Mengen dieses Kordofan-Gummis, welches durchaus mit dem Gummi arabicum übereinstimmte, in den Handel; sehr rasch aber wuchs die Ausfuhr in solcher Weise, daß das Kordofan-Gummi den anderen Sorten eine starke Konkurrenz bereitete. Für dasselbe lagen aber auch die Transportverhältnisse außerordentlich günstig. Das Gummi wurde in den Quellgebieten des Nils gesammelt und konnte daher bequem zu Schiff zuerst nach Chartum und von da nach dem Hauptstapelplatze Alexandria verfrachtet werden. Durch die Berichte Schweinfurth's wissen wir auch, daß das ganze Ghasalquellengebiet (Centraiafrika) außerordentlich reich an Gummi ist und daß dort große Schätze zu heben sind resp. zu heben sein werden, denn gegenwärtig gelangt keine Spur des Kordofan-Gummis mehr auf den Markt. Durch den Mahdistenaufstand wurde der schon stark ent­wickelte Handel mit diesem Produkte vollständig unterbrochen und vernichtet.

Oben wurde schon darauf hingewiesen, daß Gummi im allgemeinen von sehr zahlreichen Acacia-Arten gewonnen wird, und zwar hauptsäch­lich von Arten des tropischen Afrika, nur in verhältnismäßig geringem Maße von Arten des südlichen, subtropischen Afrika und Australien. Daß das beste Gummi des Handels von Acacia Senegal (Fig. 103) abstammt, einer Art, die an ihren dicht cylindrischen Blütenständen mit weißen Blüten sehr leicht zu erkennen ist, steht fest; auch scheint es sicher zu sein, daß das westafrikanische Gummi ausschließlich von jener Art gewonnen wird. Durch Schweinfurth und andere Forschungsreisende wissen wir jedoch, daß im centralen und östlichen Afrika noch mehrere Arten brauchbares, ja gutes Gummi liefern, welches zweifellos auch hier und da in den Handel gelangt. Interes­sant und sehr wichtig sind die Beobachtungen von Hildebrandt und Schweinfurth, daß dieselbe Acacienart in einer bestimmten Gegend keine Spur von Gummi hervorbringt, während sie in anderen Ge­bieten große Mengen dieses Produktes liefert. Dies steht z. B. fest für. Acacia abessinica Höchst, und Acacia glaucophylla Steud., welche in Abessinien niemals Gummi erzeugen, aber im Somalilande als gute Gummilieferanten bekannt sind. Ferner ist in dieser Hinsicht sehr cha­rakteristisch, daß eine Art in einer bestimmten Meereshöhe reichlich Gummi geben kann, daß der Harzerguß aber bei Exemplaren, welche größere Meereshöhen erreichen, allmählich schwächer wird und zuletzt gänzlich aufhört. Dies zeigt uns deutlich, daß eine Gummigewinnung noch lange nicht sichergestellt ist, wenn Arten, die als gummierzeugend bekannt sind, in einem bestimmten Gebiet aufgefunden wurden, sondern