XI. Kapitel. Kautschuk und Guttapercha liefernde Pflanzen. 269
Entwicklung und liefert die Prima Sorte des Kautschuks, den sog. Para-Kautschuk. In den dem Inundationsgebiete direkt benachbarten Gegenden gewinnt man schon nicht mehr einen gleich guten Kautschuk und mit der weiteren Entfernung von diesem Gebiete verringert sich nicht nur die Menge, sondern auch die Güte dieses Kautschuks, obgleich die Bäume selbst vorzüglich gedeihen. Hieraus geht hervor, daß die Pflanze eine ganz besondere Empfindlichkeit gegen Standort und Klima besitzt und man hätte sich sagen können, daß in anderen Tropengegenden die Kultur einer solchen Pflanze günstige Resultate nicht liefern kann. Dies ist leider nicht berücksichtigt worden, und die Folge davon sind die völlig mißglückten Kulturen, auch wenn man dieselben, wie z. B. auf Ceylon, nach Möglichkeit in den der Heimat der Pflanze entsprechenden Gegenden versuchte. Hevea brasiliensis ist eine Pflanze, welche nirgends, außer in ihrer Heimat, einen guten Kautschuk liefern wird.
2. Manihot Glaziovii Müll. Arg. (Euphorbiaceae), Südamerika. Diese den Ceara-Kautschuk liefernde Pflanze ist ein wichtiger Bestandteil der Certäo-Flora von Nordost-Brasilien, einer den Stein- und Sandsteppen ähnlichen Vegetationsform, welche man in Ostafrika vielfach findet. Wenn man diese Pflanze — wie es bis jetzt fast ausnahmslos geschehen ist — in einem feuchten tropischen Klima zu kultivieren sucht, so gelangt sie wohl zu einer kräftigen Entwickelung. aber die Ausbeute an Kautschuk ist eine so geringe und die Qualität desselben eine so minderwertige, daß man an allen solchen Orten die Kulturversuche wieder eingestellt hat. Ob, wie Schumann glaubt, die Pflanze an trockenen Orten, wie z. B. in der ostafrikanischen Steppe, einen besseren und reichlicheren Kautschuk liefern wird, muß abgewartet werden ; unmöglich dürfte es nicht sein.
Neuerdings ist in dem oberen Stromgebiete des Amazonenstromes noch eine — bisher nicht näher bestimmbare — Manihot-Art beobachtet worden, deren Kautschuk sehr gerühmt und vielfach nach Europa exportiert wird; es ist aber leider noch nicht möglich gewesen, die Pflanze näher zu untersuchen.
3. Ficus elastica Roxb. l ) (Moraceae), Südamerika. Dieser unter dem Namen „Gummibaum" häufig als Zimmerpflanze kultivierte, in diesem Zustande aber niemals größere Dimensionen erreichende Baum gehört zu den wichtigsten und ausgiebigsten Kautschukpflanzen. 6 bis 7 Jahre nach der Anpflanzung erreicht der Stamm des Baumes in den Tropen bereits einen Umfang von 1—1,5 m, die Laubkrone dagegen einen solchen von 45—50 m; er liefert alsdann bereits einen guten und reichlichen Kautschuk, auf Sumatra und Borneo z. B. bei einem einmaligen Anzapfen mehr als 2 kg. Die Ausbeute steigert sich aber mit den
1) Ueber die Entwickelungsgeschichte und Biologie vergl. man S. 88 ff.

