Kautschuk und Guttapercha liefernde Pflanzen. 279
hat daher früher dort, wo die Kautschukpflanzen selbst Früchte erzeugen, welche einen sauren Saft enthalten (z. B. die Kautschuklianen des tropischen Westafrika, Landolphia- Arten), die frisch gewonnene Milch mit dem Saft der eigenen Früchte bespritzt oder, wo derselbe nicht ausreichte, resp. nicht zu haben war, an dessen Stelle auch Ci- tronensaft verwendet. Auch jetzt wird behufs der Kautschukgewinnung Citronensaft in großer Menge nach den Kautschukländern des tropischen Westafrika gesendet, da die Eingeborenen, auf welche man bei der Kautschukernte fast ausschließlich angewiesen ist, leider sich noch immer einer Räucherung des gewonnenen Milchsaftes widersetzen. Aber man hält jetzt wenigstens mit aller Strenge darauf, daß die Milch sofort nach dem Herausfließen aus der Wunde mit Citronensaft besprengt wird, damit die koagulierenden Teile sowohl dem Einflüsse der Luft, als auch demjenigen der Infektionsorganismen nach Möglichkeit entzogen werden. Ueberhaupt verwendet man jetzt eine sehr große Sorgfalt auf die erste Gewinnung des Kautschuks, und es dürfte daher z. B. als ausgeschlossen gelten, daß man jetzt noch Samen von Citrus- Arten in einem sonst ganz guten Kautschuk findet. Anorganische Säuren, welche die Koagulierung wohl noch schneller und intensiver hervorbringen, benutzt man nicht, weil dieselben die Pflanzensubstanz mehr oder weniger zerstören. Dagegen lassen sich da, wo Pflanzensäuren nicht zur Verfügung stehen, auch Salzlösungen für die Koagulierung des Saftes verwenden, und an Orten, welche nicht weit von der Küste entfernt sind, kann man das Meereswasser ganz direkt hierfür benutzen. Auch Kochsalzlösungen bringen die Milch schon bei verhältnismäßig geringen Konzentrationsgraden zum Gerinnen.
Wenn man dagegen zu der frischen Kautschukmilch verdünntes Ammoniak oder alkalische Lösungen hinzufügt, so erhält sich dieselbe in den meisten Fällen lange Zeit flüssig. Im Botanischen Museum zu Hamburg befindet sich z. B. solche flüssige, von Landolphia Heudelotii aus dem tropischen Westafrika stammende Milch, welche im Jahre 1886 bald nach dem Herausfließen aus dem Stamme mit Ammoniak behandelt worden war; diese Milch hat bis zum heutigen Tage (also nach einem Verlauf von 12 Jahren) nicht die geringste Veränderung in ihrer Konsistenz oder chemischen Beschaffenheit erfahren.
Der Kautschuk des Handels hat das specif. Gew. von 0,93 bis 0,96 und ist elastisch und meist weich; wenn man aber frisch durchschnittene Stücke fest aneinanderlegt, so kleben und haften sie zusammen. Seine Elasticität verliert der Kautschuk bereits bei 0°, gewinnt dieselbe aber bei höherer Temperatur sehr bald wieder; bei 50 0 wird er weich und bei 120 0 schmilzt er zu einer flüssigen oder halbflüssigen Masse, welche auch nach dem Erkalten nur schwer und erst nach langer Zeit wieder fester wird, aber immer schmierig bleibt.
Der Kautschuk ist in Wasser unlöslich, nur nach längerem Kochen mit Wasser nimmt er etwas von demselben auf und wird — unter ge-

