284 XI. Kapitel. Kautschuk und Guttapercha liefernde Pflanzen.

Kautschukmilch. Es sind daher bei der Gewinnung der Guttapercha auch keine besonderen Vorkehrungen behufs der Koagulation nötig. Die rohe Guttapercha wird dann meist unter Zusatz von Wasser geknetet und zu mehr oder weniger großen Blöcken zusammen­geformt; in dieser Gestalt gelangt sie in den Handel. Da aber diese Guttapercha viele Beimengungen, wie z. B. Erde, Sand, Rinden- und Holzteile u. s. w. enthält, so wird sie vor der weiteren Verwendung noch mehrfachen Reinigungsprozessen unterworfen. Zunächst wird sie in kleine Stücke zerschnitten und mit warmem Wasser zerdrückt, worauf sie bei erhöhter Temperatur durch Maschinen nochmals ge­knetet und sodann zu einer homogenen (nicht mehr porösen) Masse umgewandelt wird, welche dann für die Herstellung der verschiedenen Gegenstände eine direkte Verwendung findet.

Die auf diese Weise erhaltene Guttapercha ist eine weißgraue oder gelbbraune, amorphe Masse, welche sich leicht schneiden läßt (Unter­schied von Kautschuk) und in dünnen Schichten durchscheinend ist. Sie ist ein schlechter Leiter der Elektricität und Wärme und hat daher eine weite Anwendung für die Umhüllung von Kabeln u. dergl. gefunden. |Durch Reiben wird sie dagegen negativ elektrisch. In Wasser ist sie unlöslich, nur in kochendem Wasser nimmt sie etwas von dem­selben auf und wird klebrig und fadenziehend.

Die übrigen bei Kautschuk genannten Lösungsmittel wirken hier in gleicher Weise.

Bei längerer Einwirkung der Luft und des Tageslichtes wird die Guttapercha mehr oder weniger bröckelig. Diese für ihre Verwendung sehr hinderliche Eigenschaft verliert die Guttapercha glücklicherweise beim Vulkanisieren, einem Prozesse, der in gleicher Weise wie beim Kautschuk auf einer Schwefelung des Rohstoffes beruht und daher auch ebenso ausgeführt wird. Der Schwefelge­halt der vulkanisierten Guttapercha ist jedoch im allgemeinen geringer, als beim vulkanisierten Kautschuk. Bei weiterem Zusatz von Schwefel entsteht einegehärtete Gutta-Percha", ein Pro­dukt, welches dem Hartgummi entspricht.

Die gereinigte Guttapercha kann auch zu dünnen, durchscheinenden Blättern ausgewalzt werden (Guttapercha-Papier). Die Gutta­percha wird außerdem zu Treibriemen für Maschinen, zu Geschirren u. dergl. benutzt und dient namentlich auch zu Formen für verschiedene Gegenstände. Ihre Lösungen benutzt man dazu, um Zeuge, Regen­mäntel u. dergl. wasserdicht zu machen.