Faserstoffe.

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daß die Ramiepflanze ein schnelles Wachstum zu entwickeln ver­mag; dies dürfte aber in den gemäßigten Klimaten überhaupt ausge­schlossen sein. Daher wird man bei der Kultur der Ramiepflanze immer und immer wieder auf die Tropen oder subtropischen Gegenden zurück­kommen müssen. Andererseits leuchtet aber ein, daß eine so schnell wachsende Pflanze, welche 2030 Jahre in gleicher Weise 34mal im Jahre ihre Stengelorgane entwickelt, an den Boden der Plantage nicht unerhebliche Ansprüche stellt. Der Düngungsprozeß und die Wasserzufuhr muß daher auf das sorgfältigste geregelt werden.

Die Vermehrung und Anzucht erfolgt fast durchweg durch die Rhizome resp. durch Rhizomstücke, unter sorgfältiger Berücksich­tigung der kleinen Knospen. Man kann dann oft schon nach wenigen Monaten die ersten Stengel schneiden. Bei der Anzucht durch Samen er­reicht dagegen die Pflanze meist erst im 3. Jahre nach der Aussaat die Größe, daß man die Ernte der Stengel vornehmen kann. Man wählt daher nur sehr selten diesen längeren Weg, der sich auch des­wegen wenig empfiehlt, weil die käuflich erhaltenen Samen oft nur in sehr geringem Grade keimfähig sind. Es liegt dies daran, daß das vollständige Ausreifen der Samen nur innerhalb der Tropen möglich ist; daselbst zieht man aber nur selten die Pflanze bis zur Reife der Samen, weil dadurch stets die Güte des Faserstoffes sehr beeinträchtigt wird.

5. Jute, Corchorus capsularis L. (Tiliaceae).

Der FaserstoffJute" wird von zwei Arten der Gattung Corchorus, C. capsularis L. und C. olitorius L., neuerdings aber ganz ausschließ­lich von der weißstengeligen Varietät der ersteren Art,Uttarija", gewonnen und besteht aus dem Baste des Stengels. Die genannten Corchorus-Arten sind einjährige Pflanzen und erreichen eine Höhe von l 1 / 2 2 i / 2 m. Sie unterscheiden sich voneinander leicht durch ihre Früchte; diejenigen des C. capsularis sind kugelig, die des C. olitorius cylindrisch und etwa 45 cm lang. Die letztere Art wurde seit uralten Zeiten in Indien als Gemüsepflanze gebaut, die jungen Triebe und Blätter bildeten dort, wie überhaupt im ganzen Orient und auch bei den Griechen, eine sehr beliebte Speise; dasselbe ist noch heute, z. B. in den deutschen Kolonien des tropischen Afrika, nament­lich in Westafrika, der Fall. Corchorus olitorius wird daher fast in jedem Negerdorfe in mehr oder weniger großen Mengen gebaut.

Den Wert des Faserstoffes kennt man in Afrika kaum, und es ist bedauerlich, daß die Kultur dieser vorzüglichen Gespinnstfaserpflanze seitens der deutschen Industrie daselbst nicht betrieben wird, ob­gleich die Gewinnung der Faser eine sehr einfache ist.

Verwertung und Kultur. Zum Zwecke der Faserpro­duktion wirdUttarija", die weißstengelige Varietät von Corchorus