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V. Kapitel.

Obgleich es unwahrscheinlich ist, daß man am Kilima-Ndjaro oder am Kamerungebirge, den für den Anbau von Thea assamica zu empfehlenden Punkten der deutschen Kolonien, auch den An­bau von Thea sinensis versuchen wird, so erscheint es doch richtig, einige Mitteilungen über die in China seit langen Zeiten üblichen Methoden der Herstellung des Thees hier folgen zu lassen, da sich dieselben wesentlich von den oben geschilderten unterscheiden, während die Kultur des Theestrauches auch in China im ganzen nur wenig abweicht von derjenigen, welche im Vorhergehenden be­sprochen worden ist.

In China beginnt man mit der jährlichen Ernte der Blätter je nach der Lage, bei günstiger Lage im südlichen China z. B. schon Anfang März. Bei der ersten Ernte im Jahre, welche die beste Ware giebt, muß man genau darauf achten, daß die Blätter nicht zur vollen Ent­faltung gelangen; sie müssen vielmehr geerntet werden, wenn sie eben im BegritF sind, die Blattfläche aufzurollen. Eine nur eintägige Ver­zögerung setzt die Güte der Ware bereits herab.

Ende März treten aber in China wiederholt Gewitter auf, welche oft von recht ausgiebigen Niederschlägen begleitet sind, für das Gedeihen der Theesträucher aber sehr wichtig werden, weil unter ihrem Einfluß

gerader, vor- und rückwärts geführter Bewegung oder kreisförmig weggeführt wird. In ungefähr 7» Stunde sind die einzelnen Blättchen zu wurmförmigen Beliehen auf­gewickelt; der starke Druck hat einen großen Teil des Blättersaftes ausgepreßt, jedoch bleibt davon noch genug übrig für den nun folgenden Prozeß der Gärung. Die Böllchen werden wieder bei mäßiger Wärme auf den Hürden ausgebreitet und erleiden hier eine Art Gärung, von welcher das speeifische Aroma des Thees wesent­lich mit bedingt ist. Es erfordert viel Erfahrung, den richtigen Zeitpunkt für die Unterbrechung der Gärung zu bestimmen; je nach Wärme, Luftfeuchtigkeit, Saft­reichtum der Blätter variiert derselbe zwischen 2 und 6 Stunden. Dann setzt man die ganze Masse größerer Hitze aus, so daß ihr die Feuchtigkeit entzogen und die Gärung dadurch beendet wird. Auf kleinen Pflanzungen findet man auch jetzt noch das alte Verfahren in Gebrauch, wie es in China sich seit uralter Zeit bis auf den heutigen Tag erhalten hat, daß nämlich der Thee über offenen Kohlenfeuern getrocknet wird; die größeren Pflanzungen Ceylons aber sind sämtlich dazu über­gegangen, diesen Prozeß in weit größerem Maße und viel gleichmäßiger und sicherer durchzuführen: in großen Oefen, in denen heiße Luft in vielen Zügen über eine große Anzahl von Drahthürden hinweggeleitet wird, trocknen die Theeröllchen in 7,1 Stunde vollständig aus. Es bleibt dann nur noch übrig, je nach der Größe die einzelnen Sorten durch Siebe zu sondern. Die kleinsten, aus den eben auf­brechenden Knospen gewonnenen Röllchen sind am aromatischsten und bilden den stärksten und feinsten Thee, denbroken pekkoe"; in steigendem Maße größer sind die aus härteren, älteren, aromaärmeren Blättern stammenden Sorten Pekkoe, Souchong, Congu; als geringstes Produkt bleibt der Theestaub zurück. Mischungen des Thees, wie sie in China in so starkem Maße mit den Blättern der Camellia sasanqua, des wohlriechenden Oelbaumes Oha fragrans, des Jasminum Sambal vorgenommen werden, so daß das Aroma der Zusätze das des Thees voll­ständig verdeckt, sind in Indien und Ceylon verpönt. Wer sich erst an den Ge­schmack uuvermischten Thees gewöhnt hat, dem widersteht der apothekenhafte Miß­geschmack dessen, was als chinesischer Thee aufgetischt wird. Zuletzt wird der sortierte Thee noch in größere oder kleinere Bleiumhüllungen verlötet, nachdem man ihn vorher erwärmt hat, um die absolute Luftfeuchtigkeit, welche beim Trans­port zur Schimmelbildung führen würde, zu vermindern."