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VI. Kapitel.
Zweigen in einer Länge von ungefähr 1 m geschnitten werden und etwa 3—4 Blätter haben müssen. Das untere Ende der Stecklinge wird 15—20 cm in die Erde gesteckt und in derselben möglichst fest gedrückt, während die Spitze des Stecklinges an der Stütze befestigt wird. Im 3. Jahre beginnt die Pflanze die Früchte zu entwickeln, aber nur vom 4. Jahre bis zum 7. oder 8. Jahre erreichen dieselben ihre höchste Vollkommenheit, obwohl der Strauch bis zum 20. Jahre tragbar bleibt. Die Kultur der Vanille ist in der letzten Zeit sehr vervollkommnet worden. Anstatt dieselbe an Stützbäumen zu ziehen, hat man Spaliere eingeführt, welche eine ansehnliche Höhe haben und parallele Reihen in Zwischenräumen von c.3m bilden. An diesen können nicht nur die Zweige in der zweckentsprechenden Weise auseinandergebreitet werden, sondern überhaupt alle die Vorteile erzielt werden, welche man auch in gemäßigten Klimaten bei der Kultur kletternder Pflanzen erstrebt, wenn man dieselben an Spalieren zieht. Auch entziehen die Spaliere dem Boden keine für die Kulturpflanze nötige Nahrung, aber es müssen Vorrichtungen getroffen werden, um den Pflanzen den nötigen Schatten zu gewähren, und die Spaliere dürfen daher auch nicht von Westen nach Osten gezogen werden. Außerdem müssen die Spaliere selbst gegen die klimatischen Einflüsse, sowie gegen die Angriffe von Tieren, namentlich der Termiten, geschützt werden. Es geschieht dies am besten durch Bestreichen des Holzes mit rohem Petroleum, welchem man so viel Kienruß zugesetzt hat, daß es schwarz geworden ist (Northimpton).
Da die Befruchtung in Mexiko durch Insekten erfolgt, welche in den übrigen Kulturgebieten fehlen, so muß man dieselbe in den letzteren auf künstliche Weise ausführen. Man bedient sich hierbei eines zugespitzten Bambusstäbchens, mit welchem man nur das Innere der Blüte zu berühren braucht, um den körnigen Blütenstaub auf die Narbe zu übertragen. Eine Blüte ist aber nur einen Tag lang, mitunter sogar nur bis Mittag geöffnet; indessen kann ein gewandter Arbeiter an einem Vormittage weit über 1000 Blüten in der bezeichneten Weise behandeln.
Verwertung. Die Handels wäre resp. das beliebte G e w ü r z bilden die halbreifen, getrockneten Früchte. Wenn die grünen Früchte anfangen gelb zu werden, beginnt auch die Zeit der Ernte, für welche in allen Fällen trockenes Wetter erforderlich ist. Bei der weiteren Behandlung der Früchte, welche im frischen Zusande nur ein sehr geringes Aroma besitzen, ist es von der größten Wichtigkeit, dieselben in der geeigneten Weise auf das sorgfältigste zu trocknen, da sich hierbei erst das Aroma entwickelt. Um jedoch die Insekteneier zu töten, welche häufig an den frischen Früchten haften, taucht man die letzteren einige Sekunden in kochendes Wasser, eine Vorsicht, welche man nie versäumen sollte, da das Wasserbad

