168
VI. Kapitel.
bis jetzt über diese Kulturpflanze wissen, erscheint es ganz unzweifelhaft, daß der Anbau derselben sich in den genannten Gebieten als äußerst vorteilhaft erweisen müßte.
3. Cardamom.
a) Indische Cardamom, Elettaria Cardamomum White et Mat.
(Zingiberaceae). Von einem knollig verdickten, reich bewurzelten Rhizom, welches durch Blattnarben dicht geringelt ist, entspringen in großer Anzahl die Stengel, welche zweierlei Art sind, sterile und fertile. Die ersteren erreichen eine Höhe von 2—3 m und werden von den Blattscheiden eingehüllt; die Blätter, welche eine Länge von 40 bis 75 cm haben, sind lanzettförmig, nicht gestielt und 2-zeilig angeordnet. Die fertilen Stengel dagegen tragen nur schuppenartige, ebenfalls 2-zeilig angeordnete Deckblätter, entwickeln aber in der oberen Hälfte Blütenstände, welche aus kleinen, 3—4-blütigen Trauben bestehen. Die fertilen Triebe entspringen zwischen den Blattnarben des Rhizoms und werden 60 cm lang, bleiben aber stets dünn.
Der Bau der Blüte ist folgender: Die Kelchröhre endigt in 3 kurze, stumpfe Zipfel, die 3 grünlich-weißen Blumenblätter sind bis über die Hälfte zu einer Röhre verwachsen und von der Kelchröhre umgeben, der freie Teil des hinteren Blumenblattes ist aufrecht und breiter als die beiden anderen, welche etwas zurückgebogen sind. Das Androeceum besteht aus 2 Staubblattkreisen, von denen der äußere bis auf 2 kleine Zähne reduziert ist, welche bei anderen Zingiberaceen (z. B. bei Cur- cuma, überhaupt bei allen Hedychieen) blattartig entwickelt sind und ihrer Stellung nach als Seitenstaminodien bezeichnet werden; das 3. Staubblatt des äußeren Kreises ist in der Familie der Zingiberaceen nicht zur Ausbildung gelangt. Von den Staubblättern des inneren Kreises ist nur das hinten stehende (mediane) fertil, es ist fast sitzend und entwickelt auch keinen Konnektivfortsatz, die beiden seitlichen werden dagegen nur zu 2 blattartigen Staminodien ausgebildet, welche miteinander verwachsen und das blaugeaderte Labeilum (man vergl. auch Fig. 72, G) bilden; dasselbe wird hier ziemlich breit und umgiebt mit seinen Rändern das fertile Staubblatt. Das Gynoeceum besteht aus 3 Fruchtblättern, welche den Kelchblättern gegenüberstehen und zu einem 3-fächerigen Fruchtknoten verwachsen sind. Der Griffel ist dünn und länger als die Blumenkrone, er drängt sich stets durch die Rinne des Konnektivs; die Narbe ist nur wenig angeschwollen und klein.
Die reifen Früchte sind 10—20 mm lange, gelbliche Kapseln, deren Wand aus mehr oder weniger dünnwandigen Zellen besteht. Zwischen denselben sind in ziemlich großer Anzahl Sekretbehälter gelagert, welche auf dem Querschnitt eirund erscheinen und einen bräun lich-gelblichen Inhalt führen. In jedem der 3 Kapselfächer findet man 2 Reihen von braunen, etwas kantigen Samen, welche 4—5 mm lang und 1—3 mm dick sind und in der aus isodiametrischen Zellen be-

