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XII. Kapitel.
Stengelteile, sowie an der Sprödigkeit der Blattstiele, infolge deren die Blätter bei der Berührung leicht abfallen.
Unter günstigen Bedingungen gelangen in den Tropen die aus dem Wurzelstock hervorgehenden Stengel in 3—4 Monaten zur Schnittreife und können daher 2—3mal im Jahre geerntet werden.
Wie bei allen Gespinnstfaserpflanzen, welche die zu gewinnende Faser im Baste des Stengels führen, so ist auch hier die Güte des Faserstoffes wesentlich davon abhängig, daß der richtige Zeitpunkt der Ernte auf das genaueste innegehalten wird. Eine nicht geringe
Fig. 114. Boehmeria nivea (L.) Hook, et Akx. A Gruppe von Bastzellen im Querschnitt. B Mittlere Stücke dreier isolierter Bastzellen, breite Seite. 300 /i- — Orig.
Schwierigkeit hierfür ergiebt sich aber dadurch, daß die einzelnen Stengel einer Pflanzung sich nicht gleichzeitig ausbilden; sehr häufig entwickeln sich nicht einmal sämtliche Stengel einer und derselben Pflanze gleichzeitig und können daher auch nicht gemeinsam geschnitten werden, eine Thatsache, über welche uns auch die Kulturen in den Gewächshäusern belehren.
Der Bast des Stengels, welcher den Faserstoff enthält, wird außer von der Epidermis und dem Bindenparenchym noch von einem Collenchymmantel umgeben und läßt sich nebst den genannten Gewebeschichten in etwa 5 mm breiten Streifen, den sogen. Riemen oder Strippen, von dem Holzkörper abschälen. Von diesen Streifen kann man den Bast ziemlich leicht loslösen und in gelblichen, papierdünnen, 2—5 mm breiten Bändern erhalten. In dieser Form gelangt der Rohstoff unter dem Namen „Chinagras" aus China in den Handel. Aber die verdickten Bastzellen, welche die Faser liefern, bilden in dem Bast kein ununterbrochenes Ganze, sondern sind zu wenigzelligen

