Faserstoffe.
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Gruppen vereinigt, welche voneinander durch ein dünnwandiges Paren- chym getrennt werden (Fig. 114, Ä) ; leider ist dasselbe auf mechanischem Wege nur schwer von den Bastzellen resp. Bastzellgruppen zu entfernen. Die Isolierung der letzteren erfolgt daher meist durch einen Verwesungsprozeß, wie z. B. beim Flachs, der Jute u. s. w., da die Faser selbst hierbei am wenigsten angegriffen wird; aber diese Methode nimmt oft Wochen in Anspruch. Man benutzt übrigens hierbei nicht nur den von den benachbarten Geweben befreiten bandartigen Bast, sondern auch die oben genannten „Riemen" oder „Strippen" oder endlich auch die ungeschälten, frischen oder getrockneten Stengelstücke, welche in der Regel 0,3 — 0,5 m lang geschnitten werden. Man hat versucht, die Dauer des Verwesungsvorganges dadurch abzukürzen, daß man die Stengel in Seifenlauge kocht, aber der Faserstoff verliert hierbei seine blendend - weiße Farbe. Andererseits hat man behufs der Isolierung der Bastfasern Maschinen in Anwendung gebracht und große Sorgfalt auf die Herstellung derselben gelegt; namentlich werden die von Mac Donald und Boyle konstruierten Maschinen sehr gelobt, und es hat in der That den Anschein, daß man dadurch der Frage näher getreten sei, die Entfaserung schnell, billig und gut auszuführen. Ob aber der einfache Verwesungsprozeß nicht trotzdem immer noch vorzuziehen sein wird, wenn die Güte der Faser in erster Linie in Betracht kommen soll, muß die Erfahrung lehren.
Der gereinigte, d. h. aus den Bastzellgruppen oder den Bastzellen bestehende Faserstoff ähnelt durch seinen Glanz der Seide, übertrifft dieselbe aber an Festigkeit; seine Zugfestigkeit steht sogar zu derjenigen des russischen Hanfes im Verhältnis von 280 : 160. Der Faserstoff wird daher neuerdings auch zu Riemen verwendet, und es sollen Riemen von 8 cm Breite dieselbe Stärke haben, wie Lederriemen von ca. 20—24 cm Breite 1 ); es würde sich daher die Faser wohl auch zur Anfertigung von festen Seilen eignen, sie findet aber wegen ihrer anderen Eigenschaften, d. h. wegen ihrer leichten Verspinn- barkeit, wegen ihres Glanzes u. s. w. namentlich Verwendung zur Anfertigung feiner Gewebe, wie Batiste, Plüsche, Damaste u. s. w.; auch ist sie seit Jahren der Seide vielfach beigemengt worden 2 ).
1) Nach Hanausek, Oesterr. Monatsschrift f. den Orient, 1884, I, S. 24.
2) Eines der interessantesten Beispiele hierfür beschreibt C. Cramer (Drei gerichtliche mikroskopische Expertisen betreffend Textilfasern, Zürich 1891). Bei dem Färben von größeren Mengen Floretseide blieb eine große Anzahl der Fasern ungefärbt. Hierdurch wurde man darauf aufmerksam, daß die Seide wahrscheinlich fremde Beimengungen enthalte, aber die technischen Sachverständigen erklärten, die Beimengungen nicht sicher zu erkennen, und ein Chemiker entschied sich sogar dahin, daß die fragliche Seide überhaupt keine Beimengungen enthalte. Bei der mikroskopischen Untersuchung fand nun Cramer in der fraglichen Seide ganze Bündel von Bamiefasern.

